PAUKEN & Trompeten : In Luxus schwelgen

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Nicht nur bei Vanillepudding gibt es eine „absolute Gelinggarantie“, die sich in Jahrzehnten häuslicher Arbeit erfüllt hat, auch für Abende mit klassischer Musik gibt es positive Erfahrungswerte. Zum Beispiel am Dienstag im Konzerthaus. Das Leipziger Gewandhausorchester unter dem großen Riccardo Chailly spielt zusammen mit der französischen Pianistin Hélène Grimaud Ravels Klavierkonzert G-Dur, das buchstäblich mit einem Peitschenknall anfängt. Eine echte Peitsche im Orchester zu sehen wäre für das Publikum natürlich eine Art Sahnehäubchen auf dem Konzerterlebnis, doch wird das Gewandhausorchester hier wohl Zuflucht zu einer scharf knallenden Starterklappe nehmen.

Schon geht es weiter: Eine Musik mit Jazz-Geschmack; starke Flatterzungenpassagen in Klarinette oder Piccoloflöte; eine anspruchsvolle, physiologisch schier nicht machbare Solopassage für Horn, die den Hornisten in wenigen Sekunden ungefähr 2000 kcal kostet. Der zweite, herrlich schöne Satz schwebt geradezu ein, wegen der leicht verschobenen Impulse in den beiden Klavierhänden, der dritte Satz rauscht und tackert vorüber wie eine Toccata. Danach wird Mahlers Vierte geboten, mit einem Sopransolo im letzten Satz, das an diesem Abend kaum anders anheben kann als mit den Worten „Wir genießen die himmlischen Freuden“ und das von der fabelhaften Christina Landshamer gesungen wird.

Wer am Mittwoch gleich weiter in Luxus schwelgen möchte, geboten von der Crème de la Crème des internationalen Klassikpersonals, sollte in die Philharmonie gehen, wo die Geigerin Julia Fischer und das russische Spitzenorchester der St. Petersburger Philharmoniker gastieren, mit dem Violinkonzert von Sibelius und Dvoráks berühmter Symphonie „Aus der Neuen Welt“. Auch mit dem Besuch dieses Abend lässt man garantiert nichts anbrennen. Erstens spielt eine brillante Solistin. Mit ihr tritt zweitens ein Ensemble auf, das noch immer der alte Ruf umweht, das beste Orchester eines Riesenreiches zu sein, und schließlich werden Stücke geboten, die absolut allen zusagen dürften, nicht nur den Kennern von Sibelius’ Hang zum Herben oder den Fans von Dvoráks Lust an neuer Melodie.

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