PAUKEN & Trompeten : Ins Freie hinausgeeilt

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Der Ball ist los, die Stimmung hellt sich auf. Auch durchs Musikleben geht ein immenser Ruck, jedenfalls knöpft man sich die Hemden auf und lädt noch Freunde dazu ein, zum Beispiel beim letzten Casual Concert dieser Saison mit dem DSO am Mittwoch, bei dem Sir Roger Norrington in der Philharmonie Beethovens Dritte Symphonie dirigiert, die „Eroica“. Die richtige Musik für Männer auf dem Weg zum Triumph. Damit sich die gewonnenen Einsichten gleich aufs lebende Objekt übertragen lassen, wird der Konzertbeginn auf 19.30 Uhr vorgezogen und nach Verklingen der letzten Es-Dur-Klimax ein großes Public Viewing im Foyer offeriert.

Die jüngsten Stadion-Ausschreitungen am Rhein werden unterdessen am Freitag im Konzerthaus wettgemacht. Zumindest zeigt das Konzerthausorchester unter Christian Zacharias auf das, was an der Düsseldorfer beziehungsweise Kölner Gegend noch interessiert außer Bengalos und bombastischer Erregung: Zum Beispiel die etwas irren „Rheinischen Kirmestänze“ von Bernd Alois Zimmermann, die erstmals 1962 zur Aufführung gelangten. Oder die „Rheinische“ Symphonie, zu der sich Robert Schumann durch den Anblick des Kölner Doms inspiriert sah und aus der der Rezensent einer zeitgenössischen Kritik nichts weniger klingen hörte als „rebengrüne Hügel, freundliche Winzerfeste“, oder später „Es ist Alles in’s Freie hinausgeeilt“.

Ganz ähnlich nimmt am Montag die Big Band des Orchesters der Deutschen Oper eine Auszeit vom harten Musiktheater-Arbeitsalltag und lehnt sich mit Nummern wie „You Drive Me Crazy“ oder „As Time Goes By“ in Richtung Jazz. Als Spielmacher hat man Paul Kuhn eingeladen, immerhin gilt es an diesem Abend – Stichwort „It’s still the same old story / The fight for love and glory“ – mindestens ebenso attraktiv für das Publikum zu sein wie die zeitgleich antretenden Schweden und Ukrainer.

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