PAUKEN & Trompeten : Kleines Finale für Luise

Jörg Königsdorf vermisst Preußens Königin

War’s das jetzt schon mit Luise? Zumindest einen stimmungsvollen Kinofilm über das Leben und Leiden der berühmtesten Preußenkönigin hätte man zum 200. Todestag doch erwartet, mit Julia Jentsch in der Hauptrolle und Dominique Horwitz als Napoleon zum Beispiel. Oder besser noch eine neue Luisenoper – dankbare Rollen gäbe es schließlich genug und ein paar schmissige preußische Märsche hätten sich da sicher auch noch unterbringen lassen. Doch stattdessen scheint mit dem Ende der Ausstellung im Charlottenburger Schloss das Luisenthema zumindest für die Berliner abgehakt zu sein, obwohl der eigentliche Gedenktag, der 19. Juli, sogar noch bevorsteht. Allein das Musikinstrumentenmuseum hält wacker die Preußenfahne hoch: Die Ausstellung „Musik in Berlin um 1810“ zeigt noch bis zum Donnerstag, in welches musikalische Umfeld die junge mecklenburgische Prinzessin durch ihre Heirat mit dem preußischen Thronfolger geriet. Die musikalischen Salons, die neu gegründete Sing-Akademie, die pompösen Veranstaltungen der Hofoper, die Konzerte reisender Virtuosen und die Open-Air-Konzerte im Tiergarten: Auch wenn Berlin mit dem musikverrückten Wien nicht mithalten konnte, war der Soundtrack der 160 000-Einwohner-Metropole doch äußerst vielfältig.

Weil es immer etwas frustrierend ist, sich Musik nur in Vitrinen anzuschauen, gibt es zur Finissage am Donnerstagabend einen bunten Liederabend, bei dem Studierende der Berliner Musikhochschulen Musik der Luisenzeit vorstellen, unter anderem von den Lokalmatadoren Zelter, Reichardt und E.T.A. Hoffmann.

Echten Preußenfans wird das vermutlich nicht reichen: Die müssen nach Neustrelitz, wo im Schlosspark am Freitag und Samstag wieder die Operette „Luise – Herzenskönigin der Preußen“ gezeigt wird und können das mit einem Besuch des wieder zugänglich gemachten Sterbezimmers auf Schloss Hohenzieritz verbinden. Oder sie warten bis Januar 2011, wenn die Deutsche Oper wieder Alberto Franchettis Preußenoper „Germania“ aufnimmt. Da lässt Kirsten Harms die gute Luise nämlich leibhaftig auftreten.

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