PAUKEN & Trompeten : Ludwigs Stellvertreter

Jörg Königsdorf sucht den besten Beethoven

Jörg Königsdorf

Papstwahlstimmung in der Pianistenszene: Nachdem Alfred Brendel seine letzte Solorunde auf dem Podium absolviert hat, müsste jetzt eigentlich ein Nachfolger als Beethoven-Autorität gekürt werden. Aber wer? Der staubtrockene Michael Korstick oder der Spitzenklöppler András Schiff, oder gar der fliegengewichtige Brendel-Schüler Paul Lewis? Alle drei werkeln derzeit an Gesamteinspielungen der Sonaten, aber keiner konnte bislang wirklich überzeugen. Dass das Rennen bisher offen ist, liegt allerdings auch daran, dass der Teilnehmer mit den besten Siegeschancen sich nur sporadisch zu Wort meldet: Beethoven mit Olli Mustonen hat immer noch Seltenheitswert. Dass der Finne gerade Beethoven so gut spielt, liegt wohl daran, dass er selbst komponiert und die Stücke seines Komponistenkollegen deshalb nicht als klassische Monumente, sondern als moderne Musik spielt. Für die Hammerklaviersonate, die am Freitag seinen Abend im Konzerthaus krönt, sind das beste Voraussetzungen. Habemus Papam!

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