PAUKEN & Trompeten : Mit Goethes Ohren

Jörg Königsdorf

Schuberts „Erlkönig“ ignorierte er komplett und die Veroperung seines „Faust“ traute er höchstens Giacomo Meyerbeer zu – die Urteile Goethes zur Musik galten lange Zeit als einer der schlagendsten Beweise, dass auch Genies irren können. Doch sind die Werke, die er goutierte, tatsächlich so mittelmäßig, wie lange behauptet wurde? Oder wurden sie lange einfach nur schlecht gespielt? Wie so viele Stücke des 18. Jahrhunderts, deren Qualität erst durch die Besinnung auf die historische Aufführungspraxis wieder hörbar wurden?

Am Donnerstag bietet nun die „Meisterlied“-Konzertreihe im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumentenmuseums eine der immer noch raren Möglichkeiten, die Vorlieben des Dichterfürsten zu überprüfen: In seinem Programm „Die ungeheure Gewalt der Musik“ stellt der Berliner Tenor Jan Kobow Werke von Goethes Komponierfavoriten vor: Von dem Frankfurter Philipp Christoph Kayser zum Beispiel, für den Goethe drei Singspieltexte schrieb, vom Berliner Johann Friedrich Reichardt und natürlich von Goethens musikalischem Chefberater Carl Philipp Zelter, dem langjährigen Leiter der Berliner Sing-Akademie.

Für ihr Programm haben sich Jan Kobow und Markus Groh, sein Begleiter auf dem Fortepiano, übrigens mit Norbert Miller gewichtige Schützenhilfe geholt: Der langjährige TU-Professor sorgt für die theoretisch-literaturwissenschaftliche Unterfütterung des Gehörten. Ach ja, und Musik von Franz Schubert soll’s auch geben. Wenn das dann noch jemand hören will.

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