PAUKEN & Trompeten : Morgenlandes Sonne

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Eine der fein schillernden Vortragsreihen, die in diesem Wintersemester an den Berliner Musikhochschulen angeboten werden, geht am Donnerstag an der Hanns-Eisler-Hochschule mit Hartmut Grimms Vortrag über „Fortschrittsglaube – Franz Liszt als Musikschriftsteller“ zu Ende. Glücklicherweise bleibt uns noch für einige Wochen die interdisziplinäre Ringvorlesung an der Universität der Künste zum Thema „Bürgerliche Produktion höherer Töchter“. Die bündige Formulierung haben die dort ansässigen Musikwissenschaftlerinnen von Jens Jessen geborgt, der damit eine Bewegung erledigte, die ihre schönsten Blüten im hohen 19. Jahrhundert trieb und die noch heute Wirkung zeigt, bis in die Hobbylisten der Singlebörsen hinein. Eigentlich geht es also um „Akademische Kunstausbildung und Frauenstudium“, so zumindest lautet der Haupttitel dieser Veranstaltungsreihe, die sich an den vergangenen Dienstagen ums Klavierspielen, das Komponieren oder den Tanz gekümmert hat.

Übermorgen ist es wieder so weit. Dann wird die Literaturwissenschaftlerin Gesa Dane über eine besonders gut ausgebildete, zugleich besonders hochstehende Frau sprechen: die Dichterin Karoline von Günderrode. Den Heutigen ist die 1780 Geborene vor allem bekannt, weil sie eng mit den Geschwistern Brentano befreundet war und sich, enttäuscht von der Zurückweisung ihres verheirateten Geliebten, des Heidelberger Sprachforschers Friedrich Creuzer, mit nur 26 Jahren am Ufer eines Flusses im Rheingau erdolchte. Ihre federleicht anmutende, tiefgründige Dichtung dagegen, ihr Hunger nach Wissen und ihre Vertrautheit mit den Weltreligionen, sind weit weniger bekannt. Immer wieder hat Karoline im Sinne der frühromantischen Faszination für den Orient gedichtet. Schließlich ist, wie es in ihrer Erzählung über einen indischen Brahmanen heißt, „im Morgenlande jede Sonne aufgegangen, die die Erde erleuchtet und erwärmet hat; später und bleicher sendet sie ihre Strahlen dem Abendlande“. In der UdK wird Gesa Dane über das 1805 entstandene Theaterstück „Mahomed, der Prophet von Mekka“ sprechen, in dem die Sätze umrankt sind von Poesie und Gedankenreichtum und die Chöre singen und raunen, als habe Goethe selbst ihnen die Verse diktiert.

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