PAUKEN & Trompeten : Nebel geistern umher

von

„Herbst ist gekommen, Frühling ist weit, gab es denn einmal selige Zeit?“ Es wäre interessant zu wissen, ob dieses wunderbar verhangene Brahms-Lied auf Verse von Theodor Storm irgendwo in dieser Stadt, an irgendeinem der nächsten Tage gesungen wird. An einem Flügel in Lichtenberg? In einem Tempelhofer Jugendzimmer? Weil in dieser Richtung nichts bekannt ist, müssen wir wohl mit Stücken vorliebnehmen, die ähnlich durchzogen sind von herbstlicher Melancholie. Außerdem Schelte von Theodor W. Adorno in Kauf nehmen, der zwar selber ausgedehnt über schöne Stellen schrieb, aber dennoch irgendwie dagegen war. Also gegen das Herausstellen von Stellen.

Hier deshalb eine Schöne-und-schwermütige-Stellen-Hitliste für die nächsten Tage: Die Klaviertrios op. 100 und op. 148, die Franz Schubert in seinen letzten beiden Lebensjahren komponierte. Am Montag interpretiert das Artenius-Trio sie im Foyer der Komischen Oper, Frank Arnold trägt dazu Gedichte des extrem melancholieverdächtigen Nikolaus Lenau vor. Das „Agnus Dei“ aus Johann Sebastian Bachs großer h-moll- Messe, die die Berliner Singakademie im Ganzen am Donnerstag aufführt. Die niederländische Mezzosopranistin Olivia Vermeulen übernimmt die Alt-Partie und damit auch den Solopart in dieser besonderen Arie. Der bedächtige Variationengesang, den Ludwig van Beethoven in seine Sonate op. 30, 2 einbaut, zu hören am Freitag im Nikolaisaal Potsdam. Der Geiger Matan Dagan und Yael Kareth am Klavier musizieren die Sonate neben Stücken von Schubert, Ravel und Schostakowitsch. Schließlich das düstere Klavierstück „Il Penseroso“ (der Gedankenvolle), das Franz Liszt während seiner Wander- und Wallfahrtsjahre durch Italien schrieb und dann in sein musikalisches Tagebuch „Années de pèlerinage“ eintrug: Louis Lortie spielt den kompletten Klavierzyklus am Samstag im Radialsystem.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben