PAUKEN & Trompeten : Nobler Draufgänger

Jörg Königsdorf

In den Sechzigern veröffentlichte die Deutsche Grammophon eine Reihe von Aufnahmen, die die Hörerwartungen des Klassikpublikums in einem Ausmaß prägten, wie es heute kaum mehr vorstellbar ist. Wilhelm Kempffs Beethovensonaten, Karl Böhms Mozartsinfonien und Fischer- Dieskaus Schubertlieder standen in jedem bürgerlichen Plattenschrank quasi als klingendes Lexikon. Dazu gehörte auch die Gesamtaufnahme der Mozart- Klavierkonzerte mit Géza Anda: Vor allem für das berühmte C-Dur-Konzert wurde Andas apollinisch entspannte Sichtweise zum Mozart-Maßstab.

Inzwischen ist der Ruhm des 1975 verstorbenen Ungarn ein wenig verblasst: Die Aufnahmen, die vom kultivierten Draufgängertum Andas bei Schumann und Chopin, von seinem feinnervigen Bartók zeugen, sind mittlerweile eher ein Fall für Klavierenthusiasten als für Mainstreamhörer. Die Initiative, mit der Konzerthaus und UdK an den „Troubadour des Klaviers“ (Furtwängler) erinnern, kommt mithin zum richtigen Zeitpunkt: Von Freitag an versuchen die Géza- Anda-Tage festzuhalten, worin die Besonderheit dieses Künstlers und seine Bedeutung als Musiker und Pädagoge lag. Auf fünf Tage ist das Programm verteilt: Klavierrecitals der ersten drei Gewinner des Schweizer Géza-Anda-Wettbewerbs im Kleinen Saal des Konzerthauses sind dabei, Meisterklassen, aber am 22. (in der UdK, Fasanenstraße) und 23. November (Konzerthaus) auch zwei Filme, in denen Anda zu Wort kommt. Das vielleicht beeindruckendste Zeugnis ist allerdings eine CD, die vor einigen Jahren vom kleinen Verlag Col legno veröffentlicht wurde: der Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 1957, bei dem der damals 36-Jährige alle drei Bartók-Konzerte an einem Abend spielte. Schon diese eine Aufnahme zeigt, dass der Ungar zu den wirklich Großen gehörte.

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