PAUKEN & Trompeten : Oh je, die arme Anna!

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Damals in der siebten Klasse veranstalteten wir eine Show für unsere Eltern, die allerdings, weil wir einen schon recht alten Klassenlehrer hatten, „Bunter Abend“ genannt wurde. Es gab ein Theaterstück mit mundartlichen Einsprengseln, einen Jungen, der sich als Frau verkleidet hatte, eine Tombola und jede Menge musikalischer Darbietungen.

Zum Beispiel trug meine Klassenkameradin Anna ein Stück auf ihrer Harfe vor. Die war eigens von Annas Vater mit dem Auto zur Schule transportiert worden; Stunden vor der Aufführung saß Anna mit einem elektronischen Stimmgerät am Instrument und versuchte, die Saiten aufs richtige Gleis zu setzen. Dazwischen erklärte sie uns die Farben der Saiten und die Mechanik für den Wechsel der Tonarten. Als es Zeit für ihren Auftritt war, wurde Anna sehr nervös. Noch heute überkommt mich Mitgefühl, wenn ich an ihr Spiel zurückdenke, noch heute sehe ich ihre Hände zittern und danebengreifen.

Zum Glück überwog die Sensation des außergewöhnlichen Instruments, und so wurde der Auftritt schließlich doch noch zu einem Erfolg. Wer weiß, wie lange es für Anna gedauert hätte, bis sie ein ganzes Klavierkonzert auf ihrer Harfe hätte spielen können, gerade so, wie es der französische Harfenist Xavier de Maistre am kommenden Wochenende gemeinsam mit dem Konzerthausorchester unter Jeffrey Tate im Konzerthaus tun wird (Samstag 20 Uhr, Sonntag 16 Uhr).

De Maistre, ehemaliger Solo-Harfenist der Wiener Philharmoniker und einer der großen Interpreten auf dem Instrument, hat sich das Klavierkonzert Hob XVIII:11 von Joseph Haydn vorgenommen. Er hat den Tonumfang angeschaut (passt), die Tonart überprüft (gut zu bewerkstelligen) und ist ans Übertragungswerk gegangen. Auf Haydn selbst war ja nicht zu hoffen, der hat trotz aller Produktivität kein Harfenkonzert geschrieben. Wer möchte, kann das Erlebnis doppeln und sich bereits am Montag (20 Uhr ) im Konzerthaus einen Film von Hanne Kaisik ansehen, in dem de Maistre bei einer Darbietung in Schloss Esterhazy zu sehen ist und über seinen Werdegang spricht. Nach dem Film findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin statt.

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