PAUKEN & Trompeten : Opern zerhacken

Jörg Königsdorf

Mozartfans erkennen es natürlich an der Köchelverzeichnisnummer. KV 492 steht in Klammern hinter der Ankündigung zu „Intrigo Internazionale“. Im Rahmen dieser Produktion im Radialsystem gibt es also einiges aus der „Hochzeit des Figaro“. Wie viel Mozart bei dieser „Fiktion für Agenten und Tasteninstrumente“ am Donnerstag zu hören sein wird, muss offen bleiben. Ist auch egal: Bei Tobias Schwencke, der für die musikalische Ausgestaltung dieser Premiere verantwortlich ist, ist der „Figaro“ in besten Händen – mit Produktionen wie Monteverdis „Orfeo“ im Radialsystem oder der Strauß-Adaption „Wiener Blut“ am Hebbel hat der Mann sein großes Talent für kreative Opernarrangements bewiesen.

Tatsächlich ist Berlin ja nicht nur Opernhauptstadt, sondern auch Hauptstadt der Off-Oper: Gerade weil das traditionelle Opernangebot hier so groß ist, gibt es auch das Bedürfnis, diese Art der Kulturübermittlung immer wieder radikal infrage zu stellen und so eventuell zu verblüffenden Sichtweisen auf das vermeintlich Bekannte zu gelangen. Sei es beim radialen „Figaro“-Projekt, das von der These ausgeht, dass „alle Figuren des Stücks in private Geheimnisarbeit verstrickt“ sind. Oder auch bei dem Abend, den Florian Lutz und Janka Voigt auf der Basis von „Hoffmanns Erzählungen“ für das HAU 1 erarbeitet haben. Zu „Barcarole“ und „Klein-Zack“ soll am Mittwoch eine Menge hinterfragt werden: das Geschichtenerzählen, das Changieren zwischen Realität und Fiktion, die Illusionen des Theaters. Und das Regieteam verspricht auch, „einem zentralen Konflikt hinter den Projektionen der Frau“ auf die Spur zu kommen. Klingt abenteuerlich, aber kreuzbrave Inszenierungen der Offenbach-Oper gibt es mehr als genug.

Zur Einstimmung in die Opernexperimentierwoche bietet sich David Martons viel gelobter „Wozzeck“ an, der am Dienstag im dritten Stock der Volksbühne gezeigt wird. Mit seinem „Don Giovanni“ hat Marton sich einen Ruf als kühner Opernzerhacker erarbeitet – auch bei seiner „Wozzeck“-Fassung ist von Bergs Musik nicht viel übrig. Alles andere wäre in der Volksbühne auch eine Überraschung.

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