PAUKEN & Trompeten : Prokofjews Zweites

Jörg Königsdorf

In einem Interview räumte der russische Pianist Arcadi Volodos vor einiger Zeit mit einer Legende auf: Sergej Rachmaninows drittes Klavierkonzert, das die meisten Klassikkenner für das schwerste der Welt halten dürften, sei in Wahrheit gar nicht so mörderisch. Im Gegenteil läge das Stück für Pianisten sogar ganz bequem, erklärte Volodos, weil Rachmaninow schließlich selbst Pianist gewesen sei. Viel schwerer seien dagegen oft Konzerte von Komponisten, die nicht so gut Klavier spielen konnten und deshalb die Dinge unnötig verkompliziert hätten. Klingt nicht unvernünftig – aber welches ist dann das schwerste Konzert der Welt? Brahms’ Zweites, das „Rach drei“ auch längenmäßig schlägt? Oder Bartóks Zweites? Bei einer Abstimmung unter Pianisten würden vermutlich auf beide etliche Stimmen entfallen, gerade weil auch Brahms und Bartók ausgezeichnete Pianisten waren.

Die besten Chancen auf den Titel dürfte allerdings Sergej Prokofjews zweites, 1913 entstandenes g-Moll-Konzert haben. Reclams Klaviermusikführer etwa beschreibt die fünfminütige Kadenz des ersten Satzes als „Nonplusultra an Klangmasse und Schwierigkeit“ – kein Wunder also, dass das Stück über Jahrzehnte nur selten im Konzert zu hören war.

Das hat sich inzwischen geändert: Der chinesische Überflieger Yundi Li und Jewgenij Kissin haben gerade Aufnahmen des zweiten Prokofjew vorgelegt (Kissin die eindeutig bessere), und vor allem bei jungen Pianisten hat sich rumgesprochen, dass das Stück bei großen Wettbewerben offenbar ein Trumpf ist. Der Berliner Pianist Severin von Eckardstein beispielsweise gewann damit den berühmten Brüsseler Königin-Elisabeth- Wettbewerb, und vielleicht hat gerade das ja den 28-jährigen Belgier Lucas Blondeel, wie Eckardstein Student von Klaus Hellwig an der UdK, angespornt, es ebenfalls mit „Prok zwei“ zu probieren. Bevor es ans Kräftemessen mit der Konkurrenz geht, empfiehlt sich natürlich ein Testlauf. Dreimal spielt Blondeel das Stück im Juli mit dem Symphonischen Orchester der Humboldt-Universität unter der Leitung von Constantin Alex: Erst am Mittwoch in der Heilig-Kreuz-Kirche, dann am Sonntag im Innenhof der Humboldt-Uni und schließlich am Dienstag, am 7. Juli, in der Max-Taut-Aula in Lichtenberg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar