PAUKEN & Trompeten : Retter des Lieds

Jörg Königsdorf über einen Bariton mit Mission

Jörg Königsdorf

Thomas Quasthoff hat eine Mission: Mit allen Mitteln versucht Deutschlands berühmtester Bariton, dem Lied wieder zu der Bedeutung zu verhelfen, die es einst besaß. Schuberts „Müllerin“, Schumanns „Dichterliebe“, Brahms’ „Deutsche Volkslieder“ sieht Quasthoff vom Vergessen bedroht, und um die Schätze der romantischen Liedkunst zu retten, reist er nicht nur als Sänger, sondern auch als Talkgast durch die Lande. Er redet dabei natürlich nicht nur dem potenziellen Publikum ins Gewissen, sondern auch dem Sängernachwuchs: An der Berliner Hanns-Eisler-Hochschule unterrichtet Quasthoff ja schon länger, vom kommenden Jahr an plant er dort auch einen internationalen Liedwettbewerb. Der bislang jüngste Teil von Quasthoffs Pro-Lied-Kampagne ist jedoch eine Konzertreihe, die er unter dem Titel „Liedkunst – Kunstlied“ im Kammermusiksaal der Philharmonie präsentiert. Manchmal leiht Quasthoff diesen Abenden nicht nur den Namen, sondern – beispielsweise als Duettpartner – auch die Stimme.

Am Donnerstag überlässt er das Podium jedoch einem seiner besten Kollegen: Neben Matthias Goerne und Dietrich Henschel gehört der Bayer Christian Gerhaher zu den berühmtesten deutschen Baritonen seiner Generation und ist zumindest derjenige mit der schönsten Stimme. Für Quasthoffs Initiative ist der 38-jährige Bayer ohnehin als Mitstreiter prädestiniert: Auch seine Karriere verlief lange fast ausschließlich über das Lied, und bekannt wurde er vor allem durch seine Aufnahmen der großen Schubert-Zyklen. Diesmal geben Gerhaher und sein Klavierbegleiter Gerold Huber allerdings ein reines Brahms-Programm. Und Quasthoff kann ganz entspannt im Publikum sitzen und seine Lieblingslieder einfach nur genießen.

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