PAUKEN & Trompeten : Rückkehr eines Virtuosen

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Was gibt es Neues auf dem Markt der jungen Männer am Klavier? Die EMI versucht, den fünfzehnjährigen Chinesen Niu Niu zu platzieren, der sich auf seiner neuen Aufnahme an Liszt-Transkriptionen erprobt. Die Deutsche Grammophon hat dem Österreicher Ingolf Wunder vor einigen Wochen das potpourriartige Album „300“ (für 300 Jahre Musikgeschichte) spendiert. Es gibt aber auch ganz andere Pianisten, etwa Igor Levi. Oder Jewgenij Kissin, Jahrgang 1971, der Älteste unter den Jungen. Und der Beste.

Vor vier Jahren trat Kissin das letzte Mal in Berlin auf, dann folgte eine „Generalpause“. Am Montag kommt er in die Philharmonie (18.3., 20 Uhr), und alles wird sein wie vormals, vielleicht sogar wie im 19. Jahrhundert, als die Zeichen tatsächlich noch auf „Virtuosenverehrung“ standen. Das Publikum wird frenetisch applaudieren und Kissin wird sich auf eigentümliche Weise verbeugen, etwas skurril, sehr kontrolliert. Und dann wird er ein tiefes und exzentrisches Programm aus der Tasche ziehen und spielen wie ein Gott: Haydns Sonate Es-Dur Nr. 59, berühmt-berüchtigt wegen der vielen Sorgfaltspflichten, die eingehalten werden wollen, winzige Melodiespannen, hier ein Terzchen, dort ein Läufchen. Beethovens letzte Klaviersonate op. 111, Inbegriff des allergrößten Ernstes in der Musik. Vier Impromptus von Franz Schubert, darunter die fabelhaft heiteren Variationen über das „Rosamunde“-Thema. Schließlich die zwölfte Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt, ewiges Idol klavieristischer Kunst, die zirzensische Virtuosität, Glut und Schmachten gleichermaßen abfordert.

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