PAUKEN & Trompeten : Schöpfung & Erschöpfung

Jörg Königsdorf über das etwas andere Feuerwerk zum Jahreswechsel. Der Rias-Kammerchor präsentiert Haydns Schöpfung in der Philharmonie.

Jörg Königsdorf

Den Jahreswechsel werden die Sänger des Rias-Kammerchors diesmal wohl nicht allzu ausgelassen feiern können: Schon ein Tag nachdem sie in Freiburg mit Haydns "Schöpfung" und dem Freiburger Barockorchester das alte Jahr verabschiedet haben, läuten sie das neue mit dem gleichen Werk und gleicher Besetzung in der Philharmonie ein.

Auch wenn der Easyjet-Flug von Freiburg/Basel nach Schönefeld noch recht bequem um die Mittagszeit liegt, ist das für René Jacobs und seinen Tross eine Ochsentour, und bei drei Aufführungen in drei Tagen (das erste Tourkonzert findet am 30. in Köln statt) wird die Schöpfung schnell zur Erschöpfung.

Die Werkwahl für das traditionelle Neujahrskonzert des Chors dürfte diesmal allerdings nicht einfach gefallen sein - schließlich haben sich alle drei großen Komponistenjubilare von 2009 mit großen Oratorien hervorgetan. Die "Schöpfung" dürfte vor allem aus materiellen Gründen obsiegt haben: Nach seinem Erfolg mit Haydns "Jahreszeiten" lag es auf der Hand, dass Jacobs irgendwann auch das andere Haydn-Oratorium aufnehmen würde. Fans von Händels "Messiah" und Mendelssohns "Elias" werden im kommenden Jahr sicher auch Gelegenheit haben, ihre Leidenschaft zu befriedigen.

Mit Haydn liegt der Rias-Kammerchor übrigens im Trend: Schon die Programmstichprobe für die ersten Konzerttage 2009 zeigt den Wiener Klassiker klar in Führung vor seinen beiden Rivalen. Auch das Concerto Brandenburg hat sich bei seinem (nachmittags und abends gespielten) Silvesterkonzert für den Favoriten entschieden: Den Abschluss des Programms in der Gedächtniskirche, das noch Mozarts "Idomeneo"-Ballettmusik und Carl Philipp Emanuel Bachs stürmisches A-Dur Cellokonzert bietet, bildet die berühmte letzte "Londoner" Sinfonie Nummer 104. Kein einfaches Stück für Dirigenten. Mit dem 28-jährigen Christoph Altstaedt hat sich Concerto Brandenburg allerdings eines der interessantesten jungen deutschen Dirigiertalente ans Pult geholt. Der Absolvent der Eisler-Hochschule hat sich nicht nur die nötige Kapellmeisterroutine am Münchener Gärtnerplatztheater erarbeitet, er stand auch schon am Pult der Bamberger Symphoniker oder des Stuttgarter Kammerorchesters.

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