PAUKEN & Trompeten : Schwarz ist schön

Jörg Königsdorf sehnt sich nach der Langspielplatte

Jörg Königsdorf

Wolf Zube kennt das schon. Die Kunden, die zaghaft nach einer alten Aufnahme fragen und dann Stunden später mit einem ganzen Arm voller Langspielplatten wieder gehen. Die Reumütigen, die ihre Plattensammlung damals auf dem Flohmarkt verhökert haben und mit der CD nie richtig warm geworden sind. Und natürlich auch die Freaks, die vom aufregenderen, direkteren Klang der alten LPs schwärmen. Für sie alle ist das Klassikschallplatten-Café Horenstein in der Wilmersdorfer Fechnerstraße der Fluchtpunkt ihrer Sehnsüchte. Vor dreieinhalb Jahren gründete der ehemalige Musikkritiker Zube den bundesweit wohl einmaligen Laden: Flankiert von stilistisch passenden Sixties-Sitzgruppen lagern hier abertausende von Vinyl-Scheiben. Hauptsächlich Klassik, aber auch Jazz und Chanson, sogar Schellacks gibt es. Callas und Karajan, aber eben auch die raren Kultaufnahmen von Musikern wie dem Cellisten Antonio Janigro oder dem Namenspatron, dem Dirigenten Jascha Horenstein. Ein Platz für Liebhaber, an dem jedoch nicht nur kratzende Tonkonserven erklingen, sondern auch Live-Musik gemacht wird: von einigen Mitgliedern des Konzerthausorchesters beispielsweise, die sich in diesem Jahr dem Café zu Ehren zum „Horenstein-Ensemble“ zusammengeschlossen haben.

Am Freitag ist allerdings erst mal das 2006 gegründete Sonar-Quartett zu Gast. Die Musiker, die in Berlin auch eine eigene, zeitgenössischer Musik gewidmete Quartettreihe veranstalten, spielen Mozart, Beethoven, Bartók und ein Stück des Chinesen Shao Li Tang. Die Platzkapazität ist begrenzt, deshalb wird um Anmeldung gebeten (Tel.: 030/86 39 68 97).

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