PAUKEN & Trompeten : Täufer und Teufel

Jörg Königsdorf

Es sind schon reichlich dramatische Töne, die Antonio Casimir Cartellieri in seinem 1806 uraufgeführten Weihnachtsoratorium anschlägt: Statt das Fest der Liebe mit sanft wiegenden Pastoralen und beschaulichen Hirtenchören auszumalen, nutzt der Beethoven-Freund die Szenerie im Stall zu Bethlehem für ein vokales Duell, das eher nach dem jüngsten Gericht klingt. Ein Showdown zwischen Johannes dem Täufer und Satan, zwischen Engeln und Dämonen ist „Le Celebre Nativitá del Redentore“, bei dem vor allem St. Johannes seinen Widersacher mit allen Regeln tenoraler Belcanto- Kunst bekämpft und schließlich den längeren Atem besitzt. Das ist natürlich eher große Oper als Andachtsmusik, macht aber durchaus Spaß, wie Christoph Spering vor vier Jahren mit seiner Erstein spielung des bis dahin vollkommen vergessenen Werks (bei capriccio) bewies.

Jetzt ist die Trouvaille auch in Berlin angekommen, wo der 1772 in Danzig geborene Komponist zu Beginn der 1790er Jahre seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm. Die Titel von Cartellieris Berliner Werken machen immerhin neugierig und wenn es Studiochor Berlin und dem neuen Barockorchester unter Joachim Geiger heute Abend im Konzerthaus gelingt, den musikalischen Lokalpatriotismus zu entfachen, werden wir vielleicht irgendwann auch noch eine Aufführung der Kantate „Contimar und Zora“ oder der Operette „Die Geisterbeschwörung“ erleben. Doch fürs Erste ist’s genug mit dem Showdown zum Shut-down.

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