PAUKEN & Trompeten : Tanz mit dem Teufel

Jörg Königsdorf

Vor gut zwei Jahren veröffentlichte der Pianist Francesco Tristano eine äußerst ungewöhnliche CD. Sie trug den Titel „Not for piano“ und enthielt Stücke einer Musikrichtung, die für das Gros der Klassikkünstler ein Synonym für das Böse schlechthin ist: Techno. Statt sich vor den teuflischen Klängen zu fürchten, hatte der smarte Lockenkopf aus dem Luxemburgischen sie einfach für sein Instrument vereinnahmt und die Rhythmen auf die Tasten, Saiten und Holzwände seines Flügels übertragen. Tatsächlich sticht der 29-Jährige aus der Heerschar der jungen, immer die gleichen klassisch-romantischen Werke rauf und runter spielenden Pianisten heraus: Mit seiner Vorliebe für die Musik des 17. Jahrhunderts, als ausgezeichneter Interpret der Klaviermusik Luciano Berios, und vor allem durch seine Neugier auf elektronische Musik.

Regelmäßig arbeitet Tristano beispielsweise mit den Techno-Päpsten Carl Craig und Moritz von Oswald zusammen, die ihrerseits mit dem 2008 veröffentlichten Album „Recomposed“ ihre Schwäche für die Klassik mit ihren big tunes bekundet hatten. Klar, dass er die beiden auch zu den Hamburger Symphonikern eingeladen hat, wo er diese Saison als Artist- in-residence das Spektrum seiner musikalischen Interessen zeigen darf. Bei alledem ist es nahezu unglaublich, dass Tristano lange ein Geheimtipp geblieben ist – schließlich stürzt sich die Klassikbranche sonst auf jeden Künstler, der für musikinteressierte Menschen unter 30 attraktiv sein könnte.

Auch sein Berliner Konzert am Montag findet unter der Tarnung des Etiketts „Classic Young Stars International“ statt – einer Initiative, die im Lauf der Woche im kleinen Saal des Konzerthauses verschiedene Junginterpreten von der Blockflöte übers Streichquartett bis zum Klavier vorstellt. Mit Musik von Frescobaldi und Bach, Buxtehude und Berio sowie einigen Nummern aus „Not for piano“ bietet das Programm einen guten Querschnitt seiner Präferenzen. Das Konzert dürfte übrigens die letzte Gelegenheit sein, den Hoffnungsträger in vergleichsweise intimem Rahmen zu erleben: Inzwischen ist die Deutsche Grammophon doch noch auf ihn aufmerksam geworden und wird im kommenden Frühjahr ihre erste Tristano-CD herausbringen. Das wurde auch Zeit.

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