PAUKEN & Trompeten : Temperament muss sein

Jörg Königsdorf über das Dirigieren als Familienberuf

Jörg Königsdorf

Für einen Dirigenten hat Kristjan Järvi unorthodoxe Ansichten. Die wirklich wichtigen Musiker der letzten Jahrzehnte, ließ der 36-Jährige verlauten, seien Bob Dylan und Frank Zappa gewesen. Was sich erstmal wie Selbstabgrenzung gegen den Dirigentenvater Neeme und Dirigentenbruder Paavo anhört, ist allerdings ernst gemeint. In New York aufgewachsen, machte Järvi Junior mit seinem Ensemble Absolute zunächst nur zeitgenössische Musik. Zur Klassik bekehrte er sich dann peu à peu und debütierte 1999 nach Lehrstunden bei Esa-Pekka Salonen schließlich in Los Angeles als klassischer Dirigent. Inzwischen ist der Temperamentsbolzen seinem Halbbruder dicht auf den Fersen – die „New York Times“ feierte ihn bereits als „Leonard Bernstein reborn“, und nachdem er quasi als Gesellenstück das Niederösterreichische Tonkünstlerorchester wieder auf Touren gebracht hat, hebt er gerade zur großen Karriere ab. Das Rundfunk-Sinfonieorchester hat schon zugegriffen, als die andern noch zögerten und mit Järvi eine regelmäßige Zusammenarbeit aufgebaut. In dieser Saison dirigiert er in der Philharmonie gleich zwei Programme: im Mai Strawinskys „Sacre“ und jetzt am Dienstag Ravels „Daphnis“ und Scriabins „Prometheus – Le Poème du Feu“.

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