PAUKEN & Trompeten : Tierisch tierisch

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Im Herbst 1999 tanzte der frischgebackene Nobelpreisträger Günter Grass ausgelassen auf dem Ball in Stockholm, die Brille auf der Nase, die zweitjüngste Tochter Helene im Arm. Vor wenigen Tagen erst konnte Grass, in dessen Werk Aal, Butt, Katze, Maus, Krebs und Ratte sich über Jahrzehnte ein heiteres Stelldichein gaben, seinen 85. Geburtstag feiern. Speziell in dieser Woche kommt nun aber in Berlin zusammen, was seit langem zusammengehört: Tanz und Tier, Vater und Tochter, Musik und Literatur. Am Dienstag um 19 Uhr hält die Tanzwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter im Rahmen der Ballettuniversität an der Deutschen Oper einen Vortrag über „Terpsichores Zoo – Tiere im Ballett und im zeitgenössischen Tanz“. Brandstetter wird sich wohl nicht direkt dem Tänzer und Tiergeschichtenerzähler Grass widmen, jedoch der Frage, in „welcher Weise sich – im Spiegel des Tieres – die Sehnsucht nach einem ‚anderen Menschlichen’“ zeigt.

Ganz offen um Günter Grass geht es dagegen am Mittwoch um 20 Uhr in der Nikolaikirche, wo der Rias-Kammerchor gemeinsam mit Helene Grass, die inzwischen Schauspielerin geworden ist, und dem Instrumentalensemble Capella de la Torre ein Geburtstagskonzert ausrichtet. Auf dem Programm stehen Chorwerke des 16. und 17. Jahrhunderts, die die Rias-Sänger und Sängerinnen unter dem estnischen Dirigenten Risto Joost in gewohnt vollkommener Weise vortragen werden, darunter Claudio Monteverdis Madrigal „Fumia la Pastorella“, sein „Lamento dela Ninfa“ oder Heinrich Schütz’ „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Helene Grass wird auch Proben barocker Lyrik vortragen und Auszüge aus Günter Grass’ 1979 erschienener Erzählung „Das Treffen in Telgte“ lesen, in welcher es in einer eigentümlichen Spiegelung der Treffen der Gruppe 47 um das fiktive Treffen großer deutscher Dichter kurz vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges geht.

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