PAUKEN & Trompeten : Tote spielen besser

Jörg Königsdorf

Was haben die größten Pianisten der Welt gemeinsam? – Sie sind tot. So lässt sich das Ergebnis einer Umfrage des „BBC Music Magazines“ zusammenfassen. 100 Pianisten, darunter Alfred Brendel, Vladimir Ashkenazy und Hélène Grimaud durften je drei Kandidaten nennen, und das Ergebnis stellt dem Stand der Klavierkunst kein gutes Zeugnis aus. Denn von den 20 All- Time-Heroes sind nur vier noch am Leben, beginnend mit Martha Argerich auf Platz neun, gefolgt von Krystian Zimerman, Radu Lupu und Murray Perahia. Was frustrierend klingt, ist für die fünf Nachwuchspianisten, die heute im Rahmen des Klavierfestivals von Young Euro Classic im Konzerthaus antreten, allerdings eher eine frohe Botschaft: Sie müssen sich nicht gegen die größten aller Zeiten durchsetzen, sondern nur gegen die vergleichsweise maue Konkurrenz.

Natürlich kann man aus der Umfrage auch einen anderen Schluss ziehen: Dass die goldene Zeit des klassischen Klavierspiels vorbei ist und dass moderne Pianisten zu neuen Ufern aufbrechen müssen, wenn sie nicht immer im Vergleich mit Horowitz, Rubinstein und Co den Kürzeren ziehen wollen. Genau das versucht von Mittwoch bis Samstag das Modern Solo Piano Festival im Babylon Mitte. Am Donnerstag werden unter anderem aufgeboten: die junge lettische Skriabin-Interpretin Maria Lettberg, der Jazzer Nik Bärtsch mit seinen „Ritual grooves“ und Boogie-Woogie-Urgestein Axel Zwingenberger. Klingt ziemlich lebendig.

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