PAUKEN & Trompeten : Viola, vergiss deine Bratsche nicht!

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Hoffentlich ist die Dorfkirche in Alt-Staaken groß genug, um alle Besucher aufzunehmen: Am Donnerstag wird dort Eduard Mörikes wunderbare kleine Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ vorgetragen, in der der junge Mozart mit seiner Frau unterwegs ist, sich an einem Pomeranzenbäumchen in einem fremden Garten vergreift, dafür aber nicht belangt, sondern stattdessen zum Essen eingeladen wird.

Zur Lesung in Alt-Staaken werden natürlich, wie sollte es anders sein, Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart gespielt, hinterher gibt es Maibowle für alle und genügend Gelegenheit, den 20. Geburtstag der Dorfkirchen-Musiken festlich zu begehen. Gegen eine solche Dichte an Attraktionen ist natürlich schwer ankommen. Innerstädtisch beginnt am Freitag immerhin das Miniatur-Festival „Lux et terra“ mit einer Darbietung von Händels Oratorium „Resurrezione“ im Radialsystem.

Blutjung war Händel zu Ostern 1708, als die musikalische Geschichte um die Auferstehung Christi erstmals aufgeführt wurde. Schon damals wurde eine Menge geboten an Bühnen- und Beleuchtungskunst, und auch die Aufführung durch die Lautten Compagney und ihre Gesangssolisten, die der Regisseur Kobie van Rensburg mit Videoprojektionen ausgestattet hat, wird üppig werden, die Aftershowparty, für die man eigens DJs und VJs engagiert hat, womöglich sogar etwas aufregend.

Wie gut, dass es findige Spezialisten für die Präsentation von klassischer Musik auch an der Universität der Künste gibt: Dort treten am Donnerstag im Rahmen der „crescendo“-Musikfestwochen junge Bratscher und Bratscherinnen unter dem Motto „Violamania seconda, ma cantabile“ auf, mit Originalen und Bearbeitungen für eine bis zwölf Bratschen von Bach, Schubert, Bizet oder Verdi. Die zwölf Cellisten lassen freundlich grüßen – ein Dutzend Violen, das ist klangfarblich gefährlich nah dran an der inzwischen weltberühmten philharmonischen Formation, näher zumal als vier Kontrabässe, acht Flöten oder drei Tenöre.

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