PAUKEN & Trompeten : Vivaldis fünfte Jahreszeit

Jörg Königsdorf über die Renaissance eines geschmähten Meisters

Jörg Königsdorf

Vivaldi und kein Ende: Die Hausse, die der Venezianer seit einigen Jahren erlebt, ist erstaunlich. Nachdem seine Musik abseits der unverwüstlichen „Vier Jahreszeiten“ lange niemanden so recht interessierte, ist Vivaldi nun bei Plattenfirmen und Künstlern offenbar der Komponist der Stunde. Kein Monat vergeht, ohne dass neue Aufnahmen bislang kaum bekannter Opern oder Konzerte erscheinen, und inzwischen hat das Vivaldi-Fieber auch die Hauptstadt erfasst: Gerade erst hat die Berliner Akademie für Alte Musik ihr erstes, hinreißendes Vivaldi-Album veröffentlicht, parallel legten auch Rainer Kussmauls Berliner Barocksolisten eine Auswahl auf CD vor. Hans-Christoph Rademann, der neue Chefdirigent des Rias-Kammerchors, setzte jüngst für sein Antrittskonzert sogar nur Vivaldi aufs Programm, und heute Nachmittag traut sich im Kammermusiksaal Etta Hilsbergs Camerata Vocale an Stücke wie das schnittige „Gloria“ und das „Magnificat“ heran.

Dass auch Solisten sich mittlerweile nicht mehr zu fein sind, die relativ kurzen Konzerte zu spielen, ist in diesem Zusammenhang vielleicht besonders wichtig – weil es zeigt, dass Strawinskys berühmtes Verdammungsurteil, Vivaldi habe ein Konzert sechshundert Mal komponiert, hoffentlich ad acta gelegt ist. Tatsächlich sind Vivaldis Konzerte eher wie italienische Küche: Die Rezepte sind manchmal einfach, aber wenn die Zutaten edel sind, geht das Kalkül auf. Anders gesagt: Natürlich können die stufenartigen Sequenzen und repetierten rhythmischen Muster öde klingen – aber eben nur, wenn man sie so spielt. Bei Sol Gabetta braucht man da keine Angst zu haben: Auf ihrer neuen CD „Il Proggetto Vivaldi“ spielt die schweizerisch-argentinische Cellistin die Konzerte lebendig und zupackend. Am Freitag stellt die 26-Jährige, die in Berlin als Schülerin von David Geringas an der Hanns-Eisler-Hochschule ihr Konzertexamen ablegte, diese Werke im Kammermusiksaal vor, begleitet wird sie vom Kammerorchester Basel. Und weil ein Abend allein mit Vivaldi-Cellokonzerten vielleicht doch zu viel des Guten wäre, steuert die serbische Altistin Marijana Mijanovic einige Arien von Händel bei.

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