PAUKEN & Trompeten : Vorwärts und nicht vergessen

Jörg Königsdorf

Nicht wenige hielten es für Kamikaze, als das Freiburger Barockorchester vor zehn Jahren eine Konzertreihe im Kammermusiksaal der Philharmonie startete. Berlin, so bekamen die Musiker zu hören, sei mit seinen hoch subventionierten Orchestern und Opernhäusern für private Veranstalter das härteste Pflaster der Republik, und außerdem hätten schon die Lokalmatadoren von der Akademie für Alte Musik ziemlich zu knapsen. Beides stimmt nach wie vor, aber die Freiburger ließen sich nicht abschrecken und eroberten sich eine Fangemeinde, die mittlerweile den Kammermusiksaal oft bis auf den letzten Platz füllt.

Grund dieses Erfolgs ist sicher nicht nur die Virtuosität und Klangschönheit, die die Musiker auf ihren historischen Instrumenten erreichen, sondern auch ihre Programme, die oft ein Repertoire bieten, das sonst in Berlin nicht zu hören ist. Denn kontinuierlich haben die Freiburger ihre Stilkompetenz vom Barock hin zur Klassik und frühen Romantik erweitert. Und das heißt für sie eben nicht nur Haydn und Beethoven, sondern auch Boccherini, Joseph Martin Kraus und was es an halbvergessenen Halbgenies aus dieser musikalisch überreichen Epoche sonst noch gibt.

Auch am Montag stellen die Musiker zwei bekanntere Werke – Haydns Sinfonien Nr. 88 und 89 – in ihren historischen Kontext, nämlich den der französischen Revolution. Trouvaille des Programms ist zweifellos die konzertante Sinfonie des Parisers Jean-Baptiste Dervaux, die ein Potpourri aus patriotischen Liedern verspricht. Mit dabei natürlich die „Marseillaise“. Auf die nächsten zehn Jahre!

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