PAUKEN & Trompeten : Wein her!

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Nicht immer sprechen Lehrer und Ärzte im privaten Kreise freundlich über ihre Schützlinge, und auch Kulturschaffende sind oft wenig verständnisvoll, wenn es um die gerechten Wünsche und Vorlieben ihres Publikums geht. „Wenn sie nur etwas zu essen bekommen“, so oder noch ein bisschen gröber formulierte vor Jahren ein Berliner Dramaturg, „ja, dann kommen die Leute ins Konzert!“ Mein lieber Herr Kulturvermittler, ganz genau, warum auch nicht! Man lese mal die Schilderungen der Unterhaltungskonzerte der frühen Berliner Philharmoniker, die der Maler Adolph Menzel (viele Leute, viele Gläser, etwas Musik) auf Leinwand gebannt hat, oder auch die Berichte über das Leben am burgundischen Hof, das im Wesentlichen auch nur aus Wein, Jagd und Gesang bestand.

Glücklicherweise ist es am Donnerstag wieder einmal so weit, dann kann endlich auch in unserer Zeit wieder zusammenfinden, was seit den Anfängen zusammengehört: Mitglieder des Kammerensemble Neue Musik treten bei den „lunch & after work“-Konzerten im Institut Français auf – und für die rechte Einstimmung wird dazu ein Apéritif gereicht. Nicht mehr! Aber auch nicht weniger.

Auf dem Programm steht, dem Versammlungsort entsprechend, Neues aus Frankreich: Bruno Mantovani wurde 1974 geboren und führt als Direktor des Pariser Conservatoire seit zwei Jahren den französischen Musikernachwuchs an das Überleben auf dem Klassikmarkt heran. Vor allem für Holzblasinstrumente hat Mantovani um das Jahr 2002 herum kleine kammermusikalische Miszellen geschrieben, die die Flötistin Rebecca Lenton, die Klarinettisten Winfried Rager und Theo Nabicht, Alexandre Babel am Schlagwerk sowie Frank Gutschmidt (Klavier) nun zu Gehör bringen werden: „L’ère de rien“, „Metal“ oder „Haunted night“ heißen diese Kompositionen, über deren besondere Charakteristika Barbara Barthelmes die Konzertbesucher aufklären wird. Eine knappe Dreiviertelstunde nur, dann ist der musikalisch-kulinarische Apéro schon wieder vorbei.

Reich an neuen Eindrücken, wird man gleich weiterziehen wollen und eine bittere Entscheidung treffen müssen: entweder in ein nächstes Konzert, nur zum Musikhören, oder aber ins Restaurant, nur zum Essen und Trinken.

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