PAUKEN & Trompeten : Wein und gute Worte

von

Wahrscheinlich wäre ein Patensystem das Beste. Die Paten nehmen die Konzertbesucher an der Haustür in Empfang, besser noch, sie kämen schon nachmittags zum Kaffee, „Hallo, wie geht’s, wie sind wir aufgelegt?“´ Zum Abend hin geleiteten sie sie dann freundlich, aber bestimmt ins Konzert und flüsterten ihnen in den Pausen Erklärendes oder Ermutigendes oder sogar Enthusiasmierendes ins Ohr.

Weil das aber alles viel zu aufwendig ist, haben Konzertveranstalter andere Methoden entwickelt, um ihre Besucher und Besucherinnen zu umwerben und sie wissen zu lassen, wie sehr sie ihnen entgegenkommen möchten. An diesem Sonntag (16.9.) zum Beispiel veranstaltet das Berliner Boulanger Trio gemeinsam mit dem Klarinettisten Sebastian Manz im Radialsystem einen seiner wunderbaren Konzertabende mit „Musik, Wein und Gespräch“. Zu einer Aufführung von Peteris Vasks’ Klaviertrio „Episodi e canto perpetuo“ und dem 1941 im Kriegsgefangenenlager Görlitz uraufgeführten „Quatuor pour la fin du temps“ von Olivier Messiaen (dem Vasks’ Stück gewidmet ist) gibt es ein Komponistengespräch mit Vasks, nach der Aufführung dann geselliges Beisammensein mit dem Publikum im großen Saal.

Im Konzerthaus unterdessen öffnet man sich am Mittwoch (19.9.) der Zuhörerschaft mit der Veranstaltungsgattung „Öffentliche Generalprobe“. Für Erwerbstätige mag die Uhrzeit – 12 Uhr – noch etwas gewöhnungsbedürftig sein. Gleichviel: Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Mittagskonzert zu besuchen. Gegen ein geringes Eintrittsentgeld gibt es nämlich nicht nur Einblicke in den Probenalltag des Konzerthausorchesters, sondern auch erläuternde Worte von Chefdirigent Iván Fischer zu Richard Strauss’ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ oder seinem „Tanz der sieben Schleier“, die beide noch am selben Abend im Konzert aufgeführt werden. Wie überhaupt dieses Proben- und Konzertprogramm nur mit Werken von Strauss geradezu gemacht scheint für Hörerinnen und Hörer, die mehr erfahren möchten über die Feinheiten der Orchesterkultur. Immerhin gilt Strauss als Meister der Instrumentierung: Gerade in der heiter springenden Symphonischen Dichtung seines „Eulenspiegel“ von 1895 lässt er die vielen Farben im Orchester auf unnachahmliche Weise aufleuchten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben