PAUKEN & Trompeten : Wenn Gläser überirdisch singen

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Während das Musikfest sich wieder darin übt, Intellekt und Avantgarde, Hipness und Glamour zu vermählen, zeigt das Musikinstrumentenmuseum nonchalant auf die Geheimnisse musikalischer Breitenbildung. Das Wiener Glasharmonika Duo mit Christa Schönfeldinger (Glasharmonika) und Gerald Schönfeldinger (Verrophon) erinnert dort am heutigen Sonntagmorgen um 11 Uhr an jene schönen Zeiten, als jedermann noch selbst Musik machte, als Familienfeiern noch in Sälen mit Tischen unter gestärkten Damastdecken stattfanden und die Festtagspläne so mager waren, dass die jüngere Generation sich mit Kartentricks und Gläserreiben bei Laune halten musste. Trinkgläser klingen nicht nur, wenn man sie anschlägt, sondern auch, wenn man die mit Wasser oder Spucke benetzten Fingerspitzen über den Rand führt.

Überirdisch intensiv tönt das, durchdringend auf zarte Weise. Es nimmt nicht Wunder, dass die Glasharmonika, die nach diesem Prinzip funktioniert, nun offiziell bereits ihren 250. Geburtstag feiert – inoffiziell gibt es sie wohl, seitdem man den letzten, leichten Schluck im Glas vergisst. Benjamin Franklin erfand das Instrument, Mozart schrieb Stücke für die seinerzeit bekannteste Spielerin Marianne Kirchgessner, und Franz Anton Mesmer nutzte die Glasharmonika für seine therapeutischen Séancen.

Unterdessen weiß auch das Amateurwesen fingerfertige Antworten auf die Frage nach dem Woher und Wohin der Kunst zu geben. Von Mittwoch bis Samstag treten 14 Finalisten internationaler Klavierwettbewerbe für Amateure beim piano festival berlin 2011 auf – ebenfalls im Musikinstrumentenmuseum. Gespielt werden Liszt-Liedbearbeitungen, Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ oder Beethovens op. 111, Ravels „Jeux d’Eau“ und Auszüge aus Messiaens „Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus“.

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