Pauken & Trompeten : Witz, komm raus ins Grüne

Es war wohl doch keine so gute Idee, Haydns Streichquartett Opus 33,2 den Beinamen "Der Scherz" zu verpassen. Jörg Königsdorf lacht im Hangar.

Jörg Königsdorf

Erstens führt der Titel "Der Scherz" dazu, dass alle Zuhörer das ganze Stück über auf den versprochenen Witz warten (der übrigens erst ganz am Ende des Stücks kommt) und zweitens sind sie dann zwangsläufig enttäuscht, weil kein Witz der Welt – und erst recht kein musikalischer – einer solchen übersteigerten Erwartungshaltung gerecht werden kann.

Beim Bebersee-Festival kann man der Aufführung dieses Quartetts jedoch entspannt entgegensehen: Denn im Eröffnungskonzert am Sonnabend wird das Stück einfach zweimal gespielt. Nachdem das Publikum beim ersten Durchgang die Pointe entdeckt hat, kann es sich nach der Pause zurücklehnen und ohne Lachzwang der Klavierbearbeitung des Werks lauschen. Eine schöne Idee, die zugleich das Leitmotiv des Programms ankündigt, mit dem das Kammermusikfestival in der Schorfheide in diesem Jahr den Jubilaren Haydn und Mendelssohn huldigt. Denn statt Werkzyklen zu stemmen, setzt Festivalchef Markus Groh auf Originalität – ganz im Sinne der Komponisten. Hatte Haydn doch selbst gern mit seiner provinziellen Verschrobenheit kokettiert und sich als „Original-Genie“ bezeichnet.

Wenn Mendelssohn in Sachen Humor nicht groß punkten konnte, so war er doch ein leidenschaftlicher Bearbeiter, der nicht nur Bachs Matthäus-Passion zeitgemäß aufpolierte, sondern auch etliche eigene Werke für Hausmusik-kompatible Besetzungen verfremdete. So zum Beispiel seine Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“, die in Bebersee in einer vierhändigen Klavierfassung präsentiert wird. Oder auch das Oktett, das hier ebenfalls zweimal auf dem Programm steht: zuerst in der Bearbeitung für Streichquartett und Klavier präsentiert (25. 7.), und tags drauf dann im Original, gekoppelt mit zwei Haydn-Quartetten. Hits wie Haydns „Abschiedssinfonie“ (natürlich im Abschlusskonzert am 26. 7.) oder Mendelssohns erstes Klaviertrio (23. 7.) sind an den sieben Abenden im pittoresken Konzerthangar des alten Militärflughafens von Groß Dölln die Ausnahme: Seit dem ersten Festivaldurchgang 2003 hat sich Groh seine sympathische Verweigerungshaltung gegenüber dem Festival-Mainstream bewahrt, konzipiert die Programme nach wie vor selbst. Und erzählt einen Witz eben auch zweimal, wenn’s nötig ist.

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