PAUKEN & Trompeten : Wunder gibt es immer wieder

Jörg Königsdorf über einen netten Letten

Jörg Königsdorf

Im März dieses Jahres soll sich im Opernhaus der lettischen Hauptstadt ein Mirakel ereignet haben, das als „Wunder von Riga“ Eingang ins deutsche Feuilleton fand. Es handelte sich dabei um einen schlaksigen jungen Mann, der Wagners „Walküre“ offenbar zum Elementarereignis machte. Sein Name: Andris Nelsons, Chefdirigent der lettischen Nationaloper und seit dieser Saison auch der Nordwestdeutschen Philharmonie.

Derzeit sind eine Menge Leute von Nelsons begeistert: Der 27-Jährige gilt als einer der heißesten Geheimtipps der Klassikszene. Auch in Berlin ist Nelsons kein Unbekannter mehr. Das Rundfunksinfonieorchester verpflichtete ihn schon 2006 und hat ihn auch für die kommende Saison eingeladen. Und an der Deutschen Oper, wo er im Januar „La Bohème“ dirigierte, war man von seinen Dirigaten so angetan, dass man ihm die prestigeträchtige Wagnergala zum Spielzeitende mit Starheroine Deborah Voigt übertrug. So steht am Freitag in der Philharmonie der Newcomer am Pult und nicht der Chefdirigent Renato Palumbo. Der hat nach seinem „Freischütz“-Desaster wohl erst mal genug vom deutschen Repertoire.

Beim Konzerthausorchester dagegen steht zwar kein Superstar auf dem Podium, aber immerhin der Chef. Nach einer geglückten ersten Saison von Lothar Zagrosek dürften die Zeichen in Schuberts großer C-Dur-Sinfonie im Konzerthaus auf Harmonie stehen. Die Verbesserungen in der Akustik des Saals und die Herausforderung durch den neuen Chef haben das Orchester jedenfalls bislang hörbar beflügelt. Vor das Schubert-Finale hat Zagrosek in den Konzerten von Freitag bis Sonntag Tschaikowskys Rokoko-Variationen mit Alban Gerhardt gestellt, der in diesem entspannteren Umfeld die Chance nutzen dürfte, die Scharte seines nicht ganz so geglückten Philharmoniker-Debüts im April wieder auszuwetzen.

Mal sehen, wie lange der angeschossene Maestro noch durchhält.

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