PAUKEN & Trompeten : Zähigkeit und Detailfreude

Jörg Königsdorf

Zumindest über das Aussehen von Yordan Kamdzhalov waren sich Publikum und Jury beim letzten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg einig. „Wie der junge Celibidache!“ lautete das Verdikt über den jungen Bulgaren. Doch dürften es nicht nur die blitzenden dunklen Augen und schwarzen Haare gewesen sein, die den Vergleich mit dem legendären rumänischen Maestro nahelegten, sondern auch die Zähigkeit und Detailgenauigkeit, mit der der 29-Jährige seine Ideen umzusetzen versuchte. Dass am Ende für ihn nicht der erste Preis heraussprang, dürfte Kamdzhalov verschmerzen: Gerade erst hatte er den ähnlich prestigeträchtigen Jorma-Panula-Dirigentenwettbewerb in Finnland gewonnen und die Teilnahme an der „International Conductor’s Academy“ in London in diesem Jahr dürfte ihm nicht nur den letzten Profi-Schliff geben, sondern auch für weitere Einladungen zu europäischen Orchestern sorgen.

Vorderhand lebt Kamdzhalov aber noch in Berlin, wo er auch an der Eisler-Hochschule bei Christian Ehwald studierte. Und bisweilen kann man sich auch von der Entwicklung des Nachwuchs-Maestro überzeugen – so heute Abend im Kammermusiksaal der Philharmonie, wo er das 2005 von ihm gegründete Ensemble Innorelatio leitet, das sich aus Musikern der Berliner Szene zusammensetzt. Den Solisten des Abends dürfte er vom Studium her kennen: Sacha, ältester Sohn von Simon Rattle, war auch an der Eisler-Hochschule und beginnt derzeit seine Solistenkarriere.

Zusammen spielten Kamdzhalov und Sacha Rattle vor ein paar Monaten schon Mozarts Klarinettenkonzert. Als „interpretatorischen Impulsgeber, der ein ganzes Ensemble mitreißen kann“ beschrieb Tagesspiegel-Kritiker Frederik Hanssen damals Rattle-Junior. Warum sollte das heute Abend bei Aaaron Coplands Klarinettenkonzert anders sein?

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