PAUKEN & Trompeten : Zornesworte des Erlösers

Jörg Königsdorf

Es ist überfällig, einmal etwas über die Arbeit von Kai-Uwe Jirka zu sagen. Denn einen unermüdlicheren Musikausgräber als den Direktor des Staats- und Domchores hat es in Berlin nie gegeben. Fast jeden Monat wartet der 42-Jährige mit interessanten Funden auf . Gerade hat er im Dom Pergolesis „Stabat Mater“, den Superhit des barocken italienischen Sakralrepertoires, in einer Textfassung von Christoph Martin Wieland aufgeführt. Die Konzerte, die Jirka in den letzten Jahren präsentiert hat, haben ein Abbild geistlicher Musizierpraxis im Deutschland des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gezeigt, das in dieser Vielseitigkeit einmalig ist: Werke anonymer Komponisten, Bearbeitungen und Unbekannteres von den Stars der Epoche.

Natürlich stammt vieles von diesen Funden aus dem Archiv der Berliner Singakademie, deren künstlerischer Leiter Jirka seit 2006 ist und deren finanzielle Ressourcen es ihm ermöglichen, seine Entdeckungen auf einem konstant hohen musikalischen Niveau zu präsentieren. Der halb professionelle Chor aus jungen Stimmen, den er sozusagen als Elitetruppe der Singakademie formiert hat, gehört zu den besten Berlins und für die Instrumentalbegleitung kann er immer wieder so ausgezeichnete Ensembles wie die Lauttencompagney heranziehen.

Die Neugier Jirkas reicht aber weit über die Bestände seines Singakademie-Archivs hinaus. Für Karfreitag hat er einen besonderen Coup gelandet: In der Gethsemanekirche gibt es die einmalige Gelegenheit, Bachs Johannes-Passion in der Bearbeitung Robert Schumanns zu erleben – nach einer (bislang ungedruckten) Aufführungspartitur, die im Zwickauer Schumann-Haus aufbewahrt wird. Zwar ging Schumann für die Aufführung des Werks, die er 1851 in Düsseldorf veranstaltete, nicht so weit wie sein Freund Mendelssohn 22 Jahre zuvor mit Bachs Matthäus-Passion, doch die Kürzungen, Retuschen und Uminstrumentierungen dürften reichen, um das Stück in ein neues, romantisches Licht zu tauchen. Jirka hat ein handverlesenes Solistenensemble zusammengestellt und neben anderen den jungen russischen Bariton Nikolai Borchev von der Bayerischen Staatsoper verpflichtet, der zu den großen Hoffnungen seines Fachs gehört.

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