Kultur : PDS: Flexible Kader: In Osteuropa regieren Ex-Kommunisten weiter mit

Klaus Bachmann

Polens frühere Kommunisten haben schon lange vor der politischen Wende ihre "Parteibücher in Scheckbücher eingetauscht", wie ein antikommunistischer Abgeordneter 1992 im Parlament sagte. Da es in Polen kaum Öffnungen der Stasi-Akten und Strafverfolgung für Ex-Genossen gab, konnten sie sich schnell in die Marktwirtschaft integrieren. Folge heute: Eine antiwestliche, anti-marktwirtschaftliche, demokratiefeindliche Linke oder eine PDS-ähnliche Partei gibt es nicht. Als nicht koalitionsfähig gelten aber unter Konservativen und Liberalen die Sozialdemokraten. Dennoch ließ sich fast jede aus der Solidarnosc hervorgegangene Regierung von ihnen bei Gesetzen helfen.

In der Slowakei hat es das autoritäre Regime von Ex-Premier Wladislaw Meciar den Postkommunisten ermöglicht, sich als Verteidiger von Demokratie und Pluralismus zu profilieren. Den alten Kadern und dem Klüngel aus Geheimdienstlern, Spekulanten, exkommunistischen Kapital- und KP-Nostalgikern, die jede Transformation an die Oberfläche spült, hatte Meciar mehr zu bieten als die Linke, die jahrelang die Oppositionsbänke drückte.

Eine ähnliche Trennung hat auch die Linke in Weißrussland hinter sich: Unter dem Eindruck des autoritären Lukaschenko-Regimes spaltete sich die 1991 zunächst verbotene und 1993 wiederegegründete KP. Ein Teil ging mit Lukaschenko, der andere unterstützte die Opposition und die weißrussische Exilregierung in Litauen. Sehr marktwirtschaftlich sind beide nicht.

Die ukrainischen Kommunisten haben es geschafft, beides auf einmal zu machen: Je nach politischer Großwetterlage regieren sie mit oder machen unter ihrem Chef Petr Symonenko Fundamentalopposition. Doch die ukrainische KP mit der PDS zu vergleichen, wäre ungerecht - eher ähnelt sie der SED mit ihrer radikal-populistischen Rhetorik und ihrer penetranten Sowjetnostalgie.

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