Kultur : Pelz des Dämmertiers

POP

Katrin von Tippelskirch

Wie Fähnlein Fieselschweif tritt sie auf die Bühne. Im Pfadfinder-Kleidchen mit fellgerahmter Kapuze schreitet sie selbstbewusst ans Mikro und grüßt wie eine der ganz Großen im Show-Biz: „Hallo Berlin!“. Dann wirft sie in lasziver Geste den Kopf nach hinten, befreit und schüttelt ihre krause Mähne. Damit keine Missverständnisse aufkommen, die Dame heißt Elke und ist Sängerin der Elektro-Pop-Band Paula, kommt also praktisch von nebenan. Ihr Counterpart, Berend, der musikalische Kopf des Ganzen, hämmert im schummrig-düsteren Licht der Neuen Maria aufs Schlagzeug ein. Doch dann reißt die Gute-Laune-Musik des Pop-Duos die Nachtgestalten aus der Dämmerstimmung. Paula beginnt mit „Die Stadt“, dem Single-Hit ihres neuen Albums „Warum Berlin“. Die ersten fangen an auszubrechen, tanzen, singen mit und treffen doch nicht den glockenhellen Ton, den Elkes Stimme so unverwechselbar macht. So richtig ab geht es erst, wenn Paula „Als es passierte“ und „Jimmy“, das Heldenstück, spielen. Head-bangend lehnt Elke über dem Keyboard, drückt abwechselnd drei Tasten und wirkt dabei rührend amateurhaft, stolz, die paar Takte im Griff zu haben. Ihr selbstbelustigendes Grinsen – zauberhaft! Nach jedem Song zückt sie ein Handtuch und macht keinen Hehl daraus, dass ihre Schmerzgrenze fast erreicht ist. „Ist Euch auch so heiß? In meiner Schweißkarriere ist das der absolute Rekord.“ Pausen, in denen sie nicht singen muss, nutzt sie selten zur Entspannung, stattdessen rockt sie mit dem Gitarristen um die Wette, strahlt in an, dass jeder Mann neidisch werden muss. Wer die Songs nur von der Platte kennt, wird beim Konzert für einen Moment stutzen. Aus purem Elektro-Pop ist Ohren betäubender Rock geworden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben