Kultur : Pepe Danquart im Interview

Sie haben die linke "Medienwerkstatt Freiburg" mit

Mit "Heimspiel"-Regisseur Pepe Danquart sprach Daniela Sannwald.

Sie haben die linke "Medienwerkstatt Freiburg" mit gegründet. "Gegenöffentlichkeit herstellen" hieß es dort. Haben die Fans, die Sie in "Heimspiel" porträtieren, Gegenöffentlichkeit nötig?

Ich glaube, diese Fans vielleicht ja. Sie waren so behaftet mit Vorurteilen, die auch mir nicht fernlagen, als ich begann. Ich bekam Warnungen, dass es da furchtbar zuginge, und dass man da seines Lebens nicht mehr sicher sei, in diesem tiefen Osten, in Hohenschönhausen.Man landet dort wie auf einem fremden Planeten. Ich musste mich da völlig neu orientieren. Meine ganze Struktur ist nicht die eines Fans. Ich kannte das in mir selber nicht. Und als ich dann dort war, merkte ich, welche starken Ressentiments diese Fans einer Kamera gegenüber haben.

Hatten Sie dadurch Schwierigkeiten?

Es hat halt eine ganze Zeitlang gebraucht, bis sie begriffen haben, dass da jemand nicht nur einmal hinkommt, weil er den großen, sensationellen Aufreißer braucht. Und da ich kein Eishockeystadion vorher jemals betreten hatte, war ich gezwungen, meine Augen aufzumachenund erst mal zuzuhören.

Vom eigentlichen Spiel ist in Ihrem Film wenig zu sehen.

Wenn man über eine ganze Saison dreht, kann man nicht der Dramaturgie eines Spiels folgen. Mich interessierte, wie die Spieler in diesen schnellsten und härtesten Mannschaftssport hineingehen.

Hatten Sie denn eine Kamera auf Kufen?

Ja, die habe ich bauen lassen; auch Gerüste für die Spieler, so dass sie ihre Kamera direkt an den Körper binden und damit ihren subjektiven Blick auf den Puck filmen konnten. Und damit sie auch sich selbst filmen konnten, habe ich dann auch noch einen zusätzlichen Schläger gebaut mit einer Kufe, auf dem die Kamera unten drauf saß. Die Kamera war ein zusätzlicher Spieler auf dem Eis.

Setzen Sie sich mit Ihrer Darstellung nicht dem Vorwurf aus, dass Sie keine dokumentarische Distanz wahren?

Das kann sein. Dem setze ich mich aber gern aus, weil ich immer in Grenzbereichen gearbeitet habe. Mich hat man mal als den Opernregisseur unter den Dokumentaristen bezeichnet. Ich habe immer alle Mittel benutzt und neue ästhetische Ausdrucksformen gesucht.

Aber Sie sind ganz stark parteiisch.

Als ich angefangen habe, Filme zu machen, habe ich mir als Credo gesetzt, nur Filme über Leute zu machen, die ich weiter empfehlen kann an andere.

Ist "Heimspiel" ein Dokumentarfilm?

"Heimspiel" ist ein Gemälde über Gefühlslagen der Menschen und des Sports.

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