Kultur : Performance bei der die Seelen zittern

Kai Müller

Klavierkonzerte von Jeffrey Burns sind Musik für die Augen. Die Zuhörer sitzen im Podewil unter einer mit weißem Tuch ausgeschlagenen Kuppel, auf die eine Batterie verschiedenfarbiger Scheinwerfer Lichtreflexe wirft. "Piano of Light" nennt sich - etwas pathetisch - diese Installation, die den ornamentalen Werken von Alexander Skrjabin, Frank Zappa, Charles Valentin Alkan, Lutz Glandien und Josef Tal auch visuelle Aspekte entlocken will. Das Herzstück der multimedialen Verknüpfung von Auge und Ohr ist, neben dem Klavier selbst, ein Computer. Er setzt die von Burns interpretierten Kompositionen unmittelbar in eine, die musikalischen Stimmungen aufgreifende farbliche Atmosphäre um und steuert Videobilder an, die auf einer Leinwand ihr surreales Eigenleben entwickeln. So entsteht eine manchmal vage verschwommene, dann wieder dramatisch zugespitzte Interaktion der Medien. Jedoch nicht immer erhellt sich das Wechselspiel gegenseitig. Denn die Verbindung zwischen einem Stück wie "Ruth Is Sleeping" von Zappa, das den halluzinativen Traumphasen eines Schlafenden gleicht, und den psychedelischen Animationen eines Videokünstlers wie Greg Jalbert, dessen zerfließende Gittergewebe sich buddhistischen Meditationsübungen nähern, bleibt ziemlich riskant. Die Gleichförmigkeit der Bilder bereichert die subtilen Stimmungsschwankungen nicht, sondern entzieht ihnen Assoziationsräume. Am besten gelingt der mediale Crossover dort, wo von einer direkten Korrespondenz abgesehen wird. Wie in Tals "Essay II", einer eigens für Burns geschriebenen Komposition. Die Tänzerin Susanne Kirchner verkörpert in zerdehnten Figuren die seelischen Widersprüche in Tals Werk, während ihr Körper zuckende Schattenspiele an die Wand wirft.

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