Performance : Eine moderne Heldin

Die Performerin Katerina Poladjan hat den berühmten Roman "Anna Karenina" einer Relektüre unterzogen - und präsentiert im Ballhaus Ost "Die Karenina – Was soll man denn tun".

Sandra Luzina

Die Russen sind ein literaturvernarrtes Volk, das ist bekannt. Sie verehren insbesondere ihre großen Dichter wie Leo Tolstoi. Die Performerin Katerina Poladjan aus Moskau saß als Kind oft in der Küche und verschlang dessen Romane. Vor allem „Anna Karenina“ hatte es ihr angetan – die Lektüre dieses Ehebruchsroman wurde für sie zu einer Art Education sentimentale. Nun hat sie den berühmten Roman einer Relektüre unterzogen – die Karenina erschien ihr dabei als eine ungemein moderne Heldin.

Erinnern wir uns: Die schöne und kluge Anna Karenina, eine Dame der hohen Gesellschaft, ist in einer unglücklichen Ehe gefangen. Als sie auf dem Moskauer Bahnhof dem jungen Grafen Wronski begegnet, ist es um sie geschehen. Tolstoi schildert den verzweifelten Kampf um eine Liebe, die sich gegen alle gesellschaftlichen und religiösen Konventionen wendet. Anna Karenina, die aufrichtig Liebende, wählt am Ende den Freitod. Sie wirft sich vor einen Zug. „Was soll man denn tun?“, fragen sich Tolstois Figuren, während sie ihrem Untergang entgegenblicken. Die Frage wird zum Leitmotiv der Performance. Katerina Poladjan unternimmt einen Balanceakt zwischen Kammerspiel, Performance und öffentlicher Romanlektüre, um das tragische Zugrundegehen der Karenina zu erforschen. Unterstützt wird sie von einem gestandenen Mannsbild: Metin Baydak, der früher Kaderboxer der türkischen Nationalmannschaft war, tritt als DJ auf und wird das Publikum mit Perlen russischer Popmusik erfreuen. Sandra Luzina

Ballhaus Ost, Fr 13.7., 20 Uhr (Premiere), Sa 14.7., 20 Uhr, 13 €, erm. 8 €

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