• PERFORMATIVE INSTALLATIONHeiner Goebbels’ „Stifters Dinge“: Mutierte Seelenlandschaft

PERFORMATIVE INSTALLATIONHeiner Goebbels’ „Stifters Dinge“ : Mutierte Seelenlandschaft

Carsten Niemann

„Ein Klavierstück ohne Pianisten, ein Theaterstück ohne Schauspieler, eine Performance ohne Performer“? Was immer sich hinter der Ankündigung von Heiner Geobbels neuer „performativer Installation“ auch verbergen mag: Ein Stück ohne Publikum wird es nicht sein. Zwei zusätzliche Veranstaltungen haben die Organisatoren des Spielzeit-Festivals nach der erfolgreichen Lausanner Uraufführung des Stücks in ihr Programm aufgenommen, um den Andrang zur Deutschlandpremiere zu befriedigen. Noch bevor ein Ton erklungen ist, hat sich Heiner Goebbels damit erneut als einer der populärsten hiesigen Gegenwartskomponisten präsentiert.

Mag sich auch das tagespolitisch-agitatorische Moment aus Goebbels Frankfurter Jahren mit dem „Linksradikalen Blasorchester“ verflüchtigt haben, so hat der 1952 geborene Komponist doch eine merkwürdige Fähigkeit vieler 68er in die Gegenwart gerettet: Lust an abstrakten Gedankengebäuden mit theatralischer Authentizität zu verbinden. Inspirationsquelle für das neue Stück ist das Werk Adalbert Stifters. Dieser „sanfte Unmensch“, wie ihn Arno Schmidt nannte, wird eben so oft als bedeutendster Erzähler des Biedermeier gepriesen wie selten gelesen. Thomas Mann bewunderte ihn wegen der „stillen, innigen Genauigkeit“ seiner Naturbetrachtung, die zum „Exzessiven, Elementar-Katastrophalen, Pathologischen“ neigt. Dass diese merkwürdige Verbindung zwischen Ding und Natur eine wirksame Inspirationsquelle für Goebbels ist, scheint abgemacht: Bereits in einem früheren Musiktheaterprojekt mutierte eine musikalische Wald- und Seelenlandschaft zur Maschine. Carsten Niemann



Haus der Berliner Festspiele, Fr/Sa 5./6.10., 20 Uhr, So 7.10., 19 und 22 Uhr, Di 9.10., 20 Uhr, 25 €

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