Kultur : Perle des Hofklarinettisten

KLASSIK

Isabel Herzfeld

Ein Ton wie Samt und Seide, betörend im Piano-Gesang und von aufregender Strahlkraft in leidenschaftlichen Ausbrüchen – so muss es geklungen haben, als sich der alternde Johannes Brahms vor gut 100 Jahren vom Spiel des Meininger Hofklarinettisten Richard Mühlfeld bezaubern und zu letzten Kammermusikwerken verleiten ließ. Die Perle darunter ist das Klarinettenquintett h-moll, einzigartig ebenso in seiner satztechnischen Meisterschaft wie in seiner reichen Palette wehmütig-naturhafter Stimmungen. Mit großem Ernst nimmt sich Jörg Widmann ihrer an, entfaltet zusammen mit dem ihm sensibel den Klanguntergrund bereitenden, in Dialog und Konflikt tretenden Vogler-Quartett die ganze schmerzlich-herbstliche Süße des Werkes. Dass der noch nicht 30-jährige Klarinettenvirtuose auch ein bemerkenswerter Komponist ist, mag sich in der souveränen Deutlichkeit jeder einzelnen Figur, im Entwickeln der Variationsbreite der Grundmotive zeigen. Wie er die sanfte Adagio-Kantilene mit schier endlosem Atem erfüllt, die „zigeunerisch“ getönten Girlanden des Mittelteils mit vollendetem Timing platziert, ist grundmusikalisch.

Doch Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, und so bereitet das Vogler-Quartett schon zur Einstimmung höchsten Genuss. Karol Szymanowskis Streichquartett Nr. 2 von 1927 fasziniert mit schillernden Klangteppichen, zarten „Jugendstil"-Girlanden und härtesten rhythmischen Kontrasten – avantgardistisch geschliffene Folklore. Bei Mendelssohns Es-Dur-Quartett weiß man nicht, was man mehr bewundern soll: Das virtuose Feuer oder die kühle Klangbalance. Viel Beifall, Füßetrampeln schon hier im vor Spannung knisternden Kleinen Konzerthaus-Saal.

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