Kultur : Perlenfischer

Die neuen Chefs im Ballhaus Naunynstraße.

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Foto: Ballhaus Naunynstraße
Foto: Ballhaus Naunynstraße

Es war mehr als eine nette Geste, dass Shermin Langhoff ihre Nachfolger Wagner Carvalho und Tunçay Kulaoglu im Ballhaus Naunynstraße selber vorstellte. Sie ist ja die Mutter des Kreuzberger Theaterwunders und nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung des Hauses zu unterstreichen und ihre Wünsche für den künftigen Kurs zu formulieren. „Ich erhoffe mir eine Erweiterung, Vertiefung und eine weitere Politisierung der Arbeit“, sagte Langhoff. Auch Kulturstaatssekretär André Schmitz und die Kulturstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, bestätigten die Ausnahmestellung der Bühne. Die zeige sich auch daran, dass Senatsverwaltung und Bezirk an einem Strang ziehen. Geht doch!

Der Verein Kultursprünge, Träger des Ballhauses, hat die Doppelspitze vorgeschlagen, die auf breite Akzeptanz trifft. Carvalho und Kulaoglu sind dem Haus seit Jahren eng verbunden, Kulaoglu als leitender Dramaturg seit den Anfängen 2008 und Carvalho als Gründer und Kurator des Tanzfestivals „Brasil Move Berlim“, das mit großem Erfolg die brasilianische Tanz- und Performancekunst in der Hauptstadt präsentierte. Der Brasilianer, Jahrgang 1966, war auch am Ballhaus für Tanz und Performance zuständig. Der Sohn eines weißen Vaters portugiesisch-spanischer Abstammung und einer schwarzen Mutter ist ein engagierter Kämpfer gegen Rassismus. Als Reaktion auf die Black-Face-Debatte im deutschen Theater lud er im Mai zur Diskussion „Facing Black People“ – mit überwältigender Resonanz.

Steht Carvalho vor allem für eine Öffnung des Programms, begreift Kulaoglu die Fortschreibung des bisherigen Kurses als seine Aufgabe. Dass die Anfänge mit einem deutsch-türkischen Kernteam sich ausdifferenziert haben, schlägt sich längst auch im Programm nieder. Besonders stolz ist Kulaoglu darauf, das erste deutsch-griechische Projekt auf den Weg gebracht zu haben. Aber auch die Förderung junger Talente liegt ihm am Herzen.

Es überrascht dann nicht, wenn Shermin Langhoff, die designierte Intendantin des Maxim Gorki Theaters, eine Zusammenarbeit der beiden Bühnen ankündigt. Er freue sich auf die „kreative Konkurrenz“ mit der Bühne in Mitte, meinte Kulaoglu. „Aber die Perlen werden weiter hier entdeckt.“ Sandra Luzina

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