Kultur : Perlengleich

Ein gewitztes Kerlchen, dieser Geheimrat: "Die Dinte macht uns wohl gelehrt, / Doch aergert sie wo sie nicht hin gehoert./ Geschrieben Wort ist perlengleich, / Ein Dintenklecks ein boeser Streich." Goethe wußte, wovon er schrieb, als er diese Zeilen am 11.Januar 1814 in Weimar zu Papier brachte.Jetzt sind sie bei der Autographen-Auktion von Stargardt am 30./ 31.März für geschätzte 8000 DM zu haben, ohne Klecks übrigens, denn darauf hat der große Dichterfürst wohl geachtet.Die Zeilen könnten geradezu das Motto der zweitägigen Versteigerung sein, denn vieles von dem, was hier aus der Welt der Literatur, Wissenschaft, Bildenden Kunst, Musik und Geschichte unter den Hammer kommt, ist tatsächlich höchst kostbar und selten.So wie die Perlen.

Die teuersten Stücke finden sich bei der Musik.Auf Platz Nummer Eins stehen zwei Damen: Fanny Hensel, die Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys, mit ihren über dreihundert Seiten starken autobiographischen Aufzeichnungen, und Prinzessin Marie von Sayn-Wittgenstein, die Begründerin der Franz-Liszt-Stiftung, mit ihrem musikalischen Album, in dem sich unter anderem Berlioz, Liszt, Smetana und Wagner verewigten (Schätzpreis je 120 000 DM).Nicht immer sind es nur die Eigenheiten der persönlichen Handschrift, die dem wißbegierigen Leser Mühe bereiten können: Als Maria Stuart, die Königin von Schottland, 1568 aus ihrer Gefangenschaft in England einen Brief an den spanischen Botschafter schrieb, mußte sie dies notgedrungen in Geheimschrift tun.Gut, daß jetzt der Schlüssel für den vollständig chiffrierten Text gleich mit angeboten wird (20 000 DM). MK

J.A.Stargardt, Clausewitzstraße 4, Auktion am 30./ 31.März im Opernpalais, Unter den Linden 5, Vorbesichtigung am 29.März von 10-18 Uhr; Katalog 50 DM.

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