Kultur : Personalrat distanziert sich vom Orchester

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin steht im Kampf um seine Privilegien innerhalb des Theaters allein da. Bei einer Pressekonferenz des Leitungsteams forderte gestern selbst der Personalrat des Hauses die Musiker auf, "sofort jedes Handeln zu unterlassen, das den Spielbetrieb gefährdet". Weil sich aus Solidarität mit dem von einer Gehaltskürzung von brutto 450 Mark monatlich bedrohten Orchester bundesweit kein Musiker bereitfindet, in der Deutschen Oper auszuhelfen, konnte am Mittwoch die Aufführung von Schönbergs "Moses und Aron" nicht stattfinden. Ob eine weitere Vorstellung der Oper am Sonntag stattfinden kann, steht noch in den Sternen. "Diese Angelegenheit geht an die Existenz jedes einzelnen Mitglieds dieses Hauses", erklärte Generalintendant Götz Friedrich, und Musikchef Christian Thielemann betonte, er stecke nicht mit dem Orchester "unter einer Decke", habe aber mit Blick auf die notwendige Gleichbehandlung der Berliner Opernhäuser Verständnis für die Forderungen. Nachdem ein Orchestervertreter betont hatte, er werde die Abschaffung der Medienpauschale "niemals akzeptieren", verließen die anwesenden (aber nicht geladenen) Musiker den Raum. Berlins Kultursenator Radunski war nicht erschienen, seine Pressesprecherin erklärte aber auf Anfrage, "wir korrespondieren intern mit der Deutschen Orchestervereinigung, um eine Wiederaufnahme des normalen Spielbetriebs zu sichern". Der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sagte gegenüber dem Tagesspiegel, aus Sicht der Arbeitgeberorganisation sei die Bedingung für weitere Verhandlungen, dass die Gewerkschaft sicherstelle, dass die Vorstellungen in der Deutschen Oper stattfinden könnten. Für die kommende Woche immerhin steht der Spielplan. Dann nämlich kommt die Finnische Nationaloper Helsinki zu einem Gastspiel in die Deutsche Oper, während das hauseigene Orchester auf Italientournee geht.

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