Perspektive Deutsches Kino : Kopftuch und Kopfball

"Football Under Cover" erzählt die Geschichte eines Freundschaftsspiels zwischen Berliner und Teheraner Kickerinnen.

Annette Kögel
Football Under Cover
Szene aus "Football Under Cover". -Foto: Promo

Eine bodenlang verhüllte junge Frau geht durch die Straßen Teherans, vorbei an getrennten Warteschlangen: eine für Männer, eine für Frauen. Sie erzählt von den Sittenwächterinnen an der Uni, den Studentinnen wie sie ermahnen: Mach den Mantel zu! Schließe den Knopf! Stecke die Haare ganz unter den Schleier! Die Jungs hingegen kommen in T-Shirt „und Frisuren, als ob sie in die Steckdose gefasst haben“. „Männer und Frauen haben die gleichen Rechte? Nicht hier.“ Die Frau, die das sagt, heißt Niloofar Basir, und sie spielt in der Frauenfußballnationalmannschaft des Iran.

Schnitt.

Eine junge Frau schlendert durch die Straßen in Berlin-Kreuzberg. Sie nimmt die Kopfhörer ihres CD-Players ab. „Darf man auch nicht hören, wa, in Iran?“, fragt die junge Frau spitzbübisch in die Kamera. Auch Sanna „Susu“ El Agha ist Kickerin, beim Kreuzberger Verein Al Dersimspor, und sie wird ihre Koffer trotzdem packen. Die Wege der beiden jungen Frauen werden sich kreuzen. Beim ersten Heimspiel der iranischen Frauenfußballnationalmannschaft gegen eine Mannschaft aus dem Ausland seit Jahrzehnten. „Susu“ reiste mit ihrem Verbandsligateam des Kreuzberger Vereins Al Dersimspor im April 2006 zum Freundschaftsspiel nach Teheran. Mit dabei war das Team um den iranischen Regisseur Ayat Najafi und seinen deutschen Kompagnon David Assmann – an den Kameras vor allem Frauen. Der Fußballfilm mit dem doppeldeutigen Titel „Football Under Cover“ feiert heute in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ Premiere.

Ohne das Spiel hätte es den Film nicht gegeben, und ohne den Film nicht das Spiel, sagt der 31-jährige Theater- und Filmregisseur Najafi. „Dadurch, dass wir das Fußballprojekt mit der Kamera begleiteten, bekam das Spiel erst die nötige Bedeutung, damit die Behörden es überhaupt gestatteten.“ Ayat Najafi und David Assmann, der Bruder der Berliner Spielerinnen Marlene und Corinna Assmann, nehmen die Zuschauer über 86 Minuten mit auf den Trainingsplatz der Kreuzberger Mannschaft, zur iranischen Botschaft in Berlin, auf staubige Trainingsplätze, ins heruntergekommene Ararat-Stadion.

Immer wieder sieht man Marlene Assmann und Ayat Najafi bei Gesprächen mit Vertretern Irans. Als die iranische Sponsorenfirma absagt, springen die Eltern Assmann als Financiers ein. Der Film verdeutlicht, welche Probleme es mit den Visa gibt, und mit den Trikots. Die Frauen müssen nämlich mit Kopftuch, knielangem Umhang und langen Ärmeln auflaufen. Das deutsche Team in Rot, die Iranerinnen in Weiß. In einer Szene wird Marlene die enge Kopfbedeckung von Offiziellen zur Probe übergestreift, die Spielerin sieht etwas unglücklich aus.

„Eigentlich wollte ich erst einen Film nur über Frauen und Menschenrechte machen“, sagt Ayat Najafi, der als Regisseur, Spielorganisator und Dolmetscher fungierte. „Doch Frauenfußball ist das perfekte Vehikel, um dieses Thema zu transportieren.“ Im Iran wird der Film nicht zu sehen sein – die Zensurbehörden haben eine Kinoaufführung verboten.

„Football Under Cover“ hat aber auch anrührende Momente. Etwa, wenn das Team der schwarz verhüllten jungen Frauen um David-Beckham-Fan Niloofar Basir darüber spekuliert, warum um alles in der Welt eine Mannschaft aus Deutschland gegen sie antreten will, und dass man die Gegnerinnen höflicherweise gewinnen lassen müsste. Oder wenn Spielerin Narmila Fathi mit ihrer Mutter in Sturm und Staub Pässe übt. Diese war auch mal Spielerin, vor der Revolution. „Im Iran ist Frauenfußball zugleich auch Kampf um die Freiheit“, sagt Najafi.

Im Stadion dann rufen die – verhüllten – Zuschauerinnen erst höflich für Deutschland, und feuern dann ihr Team an: „Kickt sie in die Tonne!“ Die Zeitlupe konserviert glückliche Gesichter und Küsse auf die Wangen der Freundinnen aus der Fremde unten auf dem Platz.

Das Match endet 2:2. Das Rückspiel steht bis heute aus. Annette Kögel

Premiere heute um 19 Uhr im Cinemaxx 3, weitere Aufführungen am 11.2. um 13 Uhr im Colosseum und 20.30 Uhr Cinemaxx 1

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