Kultur : Perspektive Schwarz-Grün: "Meine Generation wird Schwarz-Grün noch erleben"

Das Thema Schwarz-Grün war schon häufige

Cem Özdemir (35) ist innenpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Schwabe.

Das Thema Schwarz-Grün war schon häufiger in der Diskussion, funktioniert auch an vielen Orten auf kommunaler Ebene - sehen Sie Chancen auf Landesebene, etwa mit Blick auf die Wahlen in Baden-Württemberg?

Theoretisch ja, praktisch nein. Schwarz-Grün ist so lange interessant, wie der Grundsatz gilt, dass demokratische Parteien untereinander koalitionsfähig sein müssen. Wenn man es praktisch betrachtet, stellt sich die Frage nicht. Sehen Sie doch die Lage in Baden-Württemberg: Eine verbrauchte Union, die so lange regiert, wie das Land Baden-Württemberg existiert, und die Grünen, die noch nie in der Regierung waren und in wichtigen Politikfeldern völlig andere Vorstellungen haben.

Was müsste denn passieren, damit es für Sie vorstellbar wird?

Die Union hat durch ihre Kampagne gegen unseren Außenminister Joschka Fischer und die Achtundsechziger die Gräben, die eigentlich schon zugeschüttet waren, wieder aufgerissen. Wenn ich Schwarz-Grün mit Heiner Geißler machen würde, sähe ich keine Schwierigkeiten, zu einer Koalitionsvereinbarung zu kommen. Aber er spricht ja nicht für die Union. Schwarz-Grün mit den Leuten, die im Bundestag Joschka Fischer mit Schmutz beworfen haben, ist nicht vorstellbar.

Sehen Sie thematisch Berührungspunkte?

Spannend ist es da, wo es um die Reform des Standortes Deutschland geht, also Stichpunkt Steuerreform, Rentenreform. Schwierig wird es da, wo es um Liberalität geht, um Integration geht. Mit einer Partei von Herrn Koch, die Unterschriften gegen Integration und gegen Ausländer sammelt, ist eine Koalition nicht denkbar.

Dabei hat die Union die Notwendigkeit von Zuwanderung doch mittlerweile erkannt.

Deswegen sind in der Union auch immer wieder einzelne Köpfe, mit denen Diskussionen zu bestimmten Punkten spannend sind. Aber eine Koalition wird ja nicht nur mit Wunschpartnern geschlossen, sondern mit denen, die die andere Seite dafür bestimmt. Und das wären eben leider nicht Frau Süssmuth und Herr Geißler. Aber die Kochs, Merzens, Stoibers, auch Teufel in Baden-Württemberg, mit denen geht es nicht.

Also ist die Diskussion mehr eine strategische, so nach dem Motto: Wenn die Grünen eine Option hätten, wären sie stärker?

Das ist überhaupt der Grund, warum das Thema immer wieder auf die Tagesordnung kommt. Beide Parteien, die CDU noch mehr als wir, haben dieses strategische Problem. Gerade die Angriffe der Union auf die Grünen stärken nicht unbedingt die Optionen der Union, sondern führen eher dazu, dass die FDP in Richtung der SPD gedrückt wird. So kommt die Union aus ihrem Getto nicht heraus. Ich prophezeie: Meine Generation wird eine schwarz-grüne Koalition in einem Bundesland noch erleben. Es liegt aber mehr an der CDU als an den Grünen, wie schnell das der Fall sein wird.

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