Kultur : Perspektive Schwarz-Grün: Überwiegend freundlich

Jürgen Zurheide

Jürgen Rüttgers war zufrieden. Marie-Luise Beck, die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, war eigens nach Düsseldorf gekommen, um mit dem Chef des größten CDU-Landesverbandes vor Experten über das Einwanderungskonzept der Union zu diskutieren. Seine Freude steigerte sich noch, als die Grüne die CDU-Thesen überwiegend freundlich kommentierte. "Bei den Grünen gibt es wie in der CDU wertkonservative Menschen", analysierte Rüttgers schon vor einiger Zeit, und seither lässt er kaum eine Gelegenheit aus, auch öffentlich für eine Zusammenarbeit mit den einst ins Abseits gedrängten Alternativen zu werben. Herbert Reul, sein Generalsekretär, hat den Boden für diese Annäherung 1994 bereitet. Damals gab es erste schwarz-grüne Bündnisse auf kommunaler Ebene. Weder Norbert Blüm, dem Landeschef, noch Helmut Linssen, dem Fraktionschef und späteren Spitzenkandidaten, passte das ins Konzept. Sie drängten die damals koalitionswilligen Parteifreunde, der Zusammenarbeit abzuschwören - ohne Erfolg. "Wir werden das nicht mehr verbieten können", konstatierte Herbert Reul und kalkulierte in diesem Punkt einen Dissens mit dem Vorsitzenden.

Nach der Kommunalwahl 1994 war der Damm gebrochen: Schwarze und Grüne schlossen in 24 Städten und Gemeinden feste Bündnisse, sie einte der Hass auf die allzu lange allein regierenden Genossen von der SPD. Obwohl man rein rechnerisch auch mit der SPD hätte zusammenarbeiten können, entschieden sich die Grünen in Mülheim für ein Bündnis mit der Union - die bundesweit erste schwarz-grüne Koalition in einer Großstadt war geboren.

Nach der Kommunalwahl 1999 hat sich das Feld ein wenig verändert. Die CDU hat fast überall zugelegt und benötigt weniger Koalitionspartner. "Wir brauchen die Grünen vielerorts nicht mehr, dennoch arbeiten wir weiter mit ihnen zusammen", berichtet Reul. Darüber freut er sich, denn natürlich denkt er genauso wie Jürgen Rüttgers an künftige Bündnisse auf Landesebene.

Wie vertrauensvoll inzwischen die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene läuft, hat kürzlich Anke Brunn erfahren. Die SPD-Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt in Köln unterlag dem CDU-Mann Fritz Schramma unter anderem deshalb so deutlich, weil die Spitzen-Grünen der Domstadt unverhohlen ihre Sympathie für den Unionskandidaten gezeigt hatten.

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