Peter O'Toole : Der Wüstensohn

Von Shakespeare zu „Lord Jim“: Peter O’Toole hat viele Rollen gespielt - und doch lange auf den Oscar gewartet. Jetzt wird er 80.

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Aufrührer im Beduinengewand. Peter O’Toole (r.) mit Omar Sharif in „Lawrence von Arabien“.
Aufrührer im Beduinengewand. Peter O’Toole (r.) mit Omar Sharif in „Lawrence von Arabien“.Foto: picture alliance / dpa

„It’s going to be fun“, sagt Lieutenant Thomas Edward Lawrence, als er von seinem Vorgesetzten auf eine Spezialmission geschickt wird: in die Wüste. Es wird ein großer Spaß werden. Dabei hebt er seine Mundwinkel ganz leicht zur Andeutung eines Lächelns, und dieses Lächeln bedeutet: Der Mann meint es ernst. Was der Vorgesetzte natürlich nicht fassen kann, er entgegnet: „Sie haben eine spaßige Ansicht von Spaß.“

Aber genau so kommt es dann wirklich, der Auftrag, den Prinzen Faisal zu finden, einen legendären Anführer der Araber, entwickelt sich zum epischen Abenteuer. Eisenbahnen in die Luft sprengen, im Kamelsattel Fußtruppen attackieren, sich hinter Dünen vor dem Feind verstecken – lauter Späße. Lieutenant Lawrence, der im Ersten Weltkrieg die Völker des Nahen Ostens zum Aufstand gegen Türken und Deutsche aufstachelt, steigt auf zum Mythos „Lawrence von Arabien“. Für Peter O’Toole wird der Titelheld von David Leans Dreieinhalbstundenfilm zur Rolle seines Lebens. Hager und groß gewachsen macht er im Beduinengewand eine überaus gute Figur.

Seine hellblauen Augen blitzen in Technicolor. Unvorstellbar, dass Regisseur Lean zunächst Marlon Brando oder Albert Finney besetzen wollte. Peter O’Toole ist inzwischen so sehr mit dem Beduinenimage verschmolzen, dass die Bilder aus „Lawrence von Arabien“ die Bilder des realen T. E. Lawrence ersetzt haben, der einige der abenteuerlichsten Passagen in seinen Kriegsmemoiren „Die sieben Säulen der Weltweisheit“ wohl erfunden hatte.

Der Film, sagt O’Toole, habe ihm „nichts als Glück“ gebracht. Noch 2002 schwärmte er in einer Talkshow von der existenziellen Erfahrung, neun Monate lang in der saudischen Wüste gedreht zu haben. „Du gehst nachts alleine in die Wüste, legst dich hin und schaust in diese Schüssel voller Sterne, die sich über dir wölbt. Die Sterne erstrecken sich bis zum Horizont, auch unter deinen Füßen sind Sterne.“

Peter O’Toole, der 1932 im irischen Connemara geboren wurde und unter ärmlichen Verhältnissen im englischen Leeds aufwuchs, begann seine Karriere am Theater. Er spielte am Old Vic Theatre in Bristol und bei der gerade gegründeten Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon. Laurence Olivier machte ihn am Londoner Royal National Theatre zum Hamlet. Seine elegant-sonore Intonation prädestiniert den Iren für die Darstellung englischer Könige und Gentlemen. Doch er strahlt auch etwas Fiebriges aus, den Daseinsüberdruss eines Fanatikers oder Wahnsinnigen, wie er ihn am beeindruckendsten 1965 in Richard Brooks’ tropisch-düsterer Filmversion von „Lord Jim“ zeigte.

O’Toole hat den Schriftsteller Cervantes und sein Geschöpf Don Quijote gespielt („Der Mann von La Mancha“), den alten Casanova (in einer BBC-Fernsehserie) und gleich zwei Mal König Heinrich II. (in „Becket“ und seinem Lieblingsfilm „Der Löwe im Winter“ an der Seite von Katharine Hepburn). Sein komisches Talent bewies er in Klamotten wie „Was gibt’s Neues, Pussy?“ oder „Ein Draufgänger in New York“. Acht Mal war er für einen Oscar nominiert. Bekommen hat er ihn 2003 für sein Lebenswerk. Dem Alkohol, der ihn beinahe ruinierte, ist er entkommen. Vor ein paar Wochen verkündete er das Ende seiner Schauspielkarriere: „Mein Herz ist nicht mehr richtig bei der Sache.“ Heute wird Peter O’Toole 80 Jahre alt.

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