Kultur : Peymanns Schlussrunde

Rüdiger Schaper freut sich über neue Perspektiven am Berliner Ensemble

Schon lange hat man sich an solche Meldungen gewöhnt: Claus Peymann bleibt Direktor am Berliner Ensemble. Sein bis 2014 laufender Vertrag wurde noch einmal um weitere zwei Jahre verlängert. Der 75-Jährige freue sich auf die verbleibende Zeit, hieß es in der Mitteilung des Landes Berlin vom Montag: „Gibt sie mir doch die Möglichkeit, vor meinem Abschied von Berlin alle geplanten Projekte und Ideen zu verwirklichen, um einen kräftigen Schlusspunkt ans Ende der dann 17-jährigen Direktionszeit zu setzen.“

Das BE ist seiner Konstruktion nach zwar kein Staatstheater, sondern eine Privatbühne, die naturgemäß nicht ohne kräftigen Senatszuschuss auskommt, 2012 waren es 12,2 Millionen Euro. Der Direktor verlängert sich hier selbst, also Peymann packt Peymann noch einmal ein bisschen Amtszeit drauf – und schüttelt sich in Personalunion die Hand.

Das ist auch gar nicht so schlimm, da es diesmal wirklich das letzte Mal sein soll. Außerdem stehen die Intendantennachfolger nicht massenhaft auf der Straße herum. Und mit Ende siebzig kann man zwar noch Papst werden, aber nicht mehr Chef am Schiffbauerdamm bleiben. Seinen theatervatikanischen Staat hat Peymann gut im Griff – die Messen sind voll, die Zahlen stimmen, und das gefühlte zweitausendjährige Brecht-Erbe hat er vor allzu forschen Modernisierungen bewahrt. Nun beginnt die Suche nach dem Neuen. Kommt Matthias Lilienthal nach Berlin zurück? Als BE-Direktor der Armen und Entrechteten, als Franziskus Lilienthal, der auf Claus Benedikt folgt?

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