Kultur : Pfefferberg: Jazz von Johan Cruyff

Roman Rhode

Der Herbst ist gekommen. Um die kleine, rot drapierte Bühne im Sommergarten des Pfefferberg raschelt gelbes Laub. Und die "durchgefrorene" Jacobien Vlasman hat sich in eine schwarze Jacke gehüllt. Wird sie sich, wie angekündigt, am Ende "entblättern"? Da steht das Quartett im nur mäßig warmen Scheinwerferlicht und bildet einen Rhombus: die Gestalt der guten Interaktion. Zwischen den drei Musikern und der holländischen Sängerin baut sich eine Spannung auf, die an allen vier Ecken fast magisch swingende Funken wirft. Im Hintergrund tuschelt Rainer Winch an seinem Schlagzeug, schmettert und zischt, wirbelt und klöppelt, skizziert und markiert einen sanften Rhythmus. Irgendwann bietet er auf seiner Basstrommel sogar den seltenen Clave-Beat an. Vlasman streift mit ihrer warmen Altstimme durch die Jazzgeschichte, zitiert Balladen von Ellington und Monk, kommt jedoch immer wieder auf Eigenkompositionen aus durchwachten Nächten zurück. Doch Vlasman vertont nicht nur die tobenden Gedanken der Schlaflosigkeit. Ihr Gesang, vor allem der zarte, widerborstige, launisch schöne Scat, ist das vierte Instrument der Band. An ihrer Seite steht Kai Brückner, der auf seiner jubelnden, wimmernden Gibson-Gitarre die Zweitstimme hervorzaubert. Und Johannes Gunkel brummt, summt, schnarrt und pocht dazu auf dem Kontrabass, bis er mit seinem Bogen den Schlussstrich zieht. Für die Musiker ist das ausschweifende Improvisieren eine Lust. Für das Publikum ebenso. Am Ende hat sich Vlasman entblättert, ohne den Reißverschluss zu öffnen. Und im Sommergarten bleibt eine in sich gekehrte Musik zurück, die in ihrer geschmeidigen Schwermut an frühherbstlichen Blues erinnert. An einem Abend wie aus Glas.

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