Kultur : Philharmonia Quartett: Es muss sein! Begeisterung im Kammermusiksaal

Hagen Kohn

Für seine bemerkenswerte Einspielung von Beethovens Streichquartett B-Dur op. 130 wurde das Philharmonia Quartett vergangene Woche mit dem "Echo-Klassik"-Preis geehrt. Das späte F-Dur-Quartett op. 135 spielen Daniel Stabrawa, Christian Stadelmann (Violine), Jan Diesselhorst (Cello) und Neithard Resa (Viola) nun im Kammermusiksaal der Philharmonie. Der Auftakt des Programms war jedoch dem Urvater dieser Gattung, Joseph Haydn, vorbehalten. Das sogenannte "Frosch-Quartett" D-Dur op. 50 verdankt seinen irreführenden Beinamen den grummelnden schnellen Saitenwechseln im Finalsatz, den das Quartett mit elegantem Witz präsentierte. Zeitsprung: Das erste Streichquartett von Kurt Weill, eine amüsante Collage aus verschrobener Chromatik und ironischen Anklängen von Kaffeehausmusik, präsentierte das Quartett mit viel Charme und einem kleinen Augenzwinkern.

"Muss es sein? Es muss sein!" In seinem letzten Streichquartett fasst Beethoven diese Worte in Form von zwei konträren Motiven in Noten und gibt damit Generationen von Musikwissenschaftlern Anlass zu den wildesten Spekulationen. Auf dieses Frage-und-Antwort-Spiel ließen sich die vier Musiker mit virtuoser Souveränität und unverhohlener Spielfreude ein. Am eindrucksvollsten offenbarte sich die klangliche Differenziertheit des Philharmonia Quartetts vielleicht in der zauberhaften Interpretation des vorangegangen Lento assai. Und so forderte das begeisterte Publikum gleich Zugaben: Die Musiker bedankten sich mit zwei Sätzen aus Verdis Streichquartett, ganz nach dem diesjährigen Philharmoniker-Motto "Musik ist Spaß auf Erden".

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