Philharmonie Berlin: Konzert zum Freundschaftsjahr : Ein Lied, deutsch und georgisch

Das Deutsch-Georgische Freundschaftsjahr wurde mit einem Konzert in der Berliner Philharmonie eröffnet

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Georgiens Lichter. Weihnachtsschmuck im Zentrum von Tbilisi.
Georgiens Lichter. Weihnachtsschmuck im Zentrum von Tbilisi.Foto: Zurab Kurtsikidze/dpa

Am Tag des orthodoxen Weihnachtsfestes wird in der Philharmonie das offizielle Deutsch-Georgische Freundschaftsjahr 2017 mit Sang und Klang feierlich eingeleitet. Es geht darum, die nunmehr 25 Jahre bestehenden diplomatischen Beziehungen beider Länder zu betonen und auszubauen. 1991 hat Deutschland als erster Staat die Unabhängigkeit Georgiens anerkannt. Schirmherr des Konzerts ist Frank-Walter Steinmeier, und das gemeinsame hochgesteckte Ziel des Jahres lautet: „Die Zukunft erben.“ 2018 wird Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse sein.

Das Programm steht vor allem unter dem Aspekt, dass mit Kultur Annäherung und Verständnis zu vertiefen, mit Musik Brücken zu bauen sind. Welche Bedeutung hat in diesem Rahmen die Volksweise „Still ruht der See“, die der deutsche Komponist Heinrich Pfeil im 19. Jahrhundert in Gestalt einer Motette herausgebracht hat? Sie ist auch in Georgien heimisch geworden. Das erklärt Lado Chanturia, Botschafter von Georgien, in seiner Eröffnungsrede, die den politischen Konflikt des Landes nach dem Prinzip Hoffnung einbezieht. So wird das Lied von dem georgischen Rustavi Ensemble abwechselnd in beiden Sprachen gesungen, als deutsche und georgische Fassung von „Still ruht der See“.

Das Tbilisi Symphony Orchestra ist ein versierter Klangkörper

Nach dieser Einstimmung geht es an den großen Beethoven. Denn in dem Tbilisi Symphony Orchestra verfügt die Hauptstadt über einen versierten Klangkörper, der sein Galakonzert unter den adaptierten Jazzstandard-Titel „Georgia On My Mind“ stellt. Im Kopfsatz des c-Moll-Klavierkonzerts spielen besonders die Streicher das erste Thema mit homogener Sorgfalt. Die Partitur wird auch von der Pianistin Dudana Mazmanishvili kantabel durchleuchtet, während im Largo die Spannung einer Studie in Langsamkeit weicht.

Vakhtang Kakhidze, Chefdirigent des Orchesters, hat als Komponist seiner „Christmas Trilogy“ mit gewandter Technik ein zirka 40-minütiges Werk für Männer- und Knabenchor mit Symphonieorchester geschaffen. Aus „Glory Alleluia“ klingt barocke Festlichkeit, jazz-kundig rhythmisiert, dem folgt „Elegy“ in einer Kombination von russisch-orthodoxer und georgischer Gesangstradition mit „Boris Godunow“-Glocken. Aus dem Mischklang von Rustavi und dem Mdzlevari Knabenchor dringt ein verhaltener Kindersopran. Die „Advent Suite“ schließlich verbindet Georgien und Deutschland in der Mehrstimmigkeit und Blech-Brillanz. Nicht ohne Rührung hört man „Maria durch ein Dornwald ging“ mit Hornsolo, „O du fröhliche“ als Apotheose. Gänzlich uneitel vorgetragen, verströmt diese Gemeinschaftsmusik eine sonderbare Anziehungskraft, eine Aura, deren gläubige Tonalität sich unwiderstehlich behauptet.

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