Philharmonie : "Eilet, ach eilet"

Über 40 Mal wird in den nächsten Wochen allein in Berliner Kirchen und Konzertsälen Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt.

Udo Badelt

Der Reigen ist eröffnet: Über 40 Mal wird in den nächsten Wochen allein in Berliner Kirchen und Konzertsälen Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt. Und den Anfang macht mit den Kantaten I-III und VI in der Philharmonie gleich ein Meister seines Fachs: Helmuth Rilling besitzt mit der von ihm gegründeten Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart eine inzwischen 50-jährige Erfahrung mit der Musik Bachs – und das hört man sofort. Klug gestaltete weite Bögen bei gleichzeitig sehr überzeugender Detailarbeit lassen die Architektur des Werkes kristallklar hervortreten. Der Einfluss historischer Aufführungspraxis ist auch bei Rilling spürbar, obwohl er sich ansonsten mit modernen Instrumenten und groß besetztem Chor eher an die Praxis der Romantik hält, ohne allerdings deren Pathos zu übernehmen. Im Grunde beschreitet er einen Mittelweg.

Rillings ausgeprägter Sinn fürs Detail findet ein Echo bei Musikern und Solisten. Die Blechbläser, etwa die Trompete in der Arie "Großer Herr, o starker König" artikulieren glänzend. Der Bass von Georg Zeppenfeld schimmert dabei ohne Druck, vollkommen ebenmäßig und organisch, wie ein schöner dunkler Edelstein. Tenor Maximilian Schmitt meistert die teuflischen Verzierungen der Arie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet" flüssig und souverän. Sibylla Rubens gleicht die wenigen Einsätze, die ihr Sopran hat, durch lebhafte Mimik aus. Schade nur, dass ausgerechnet Ingeborg Danz, deren Alt- Arien an mehreren zentralen Schaltstellen des Werks positioniert sind, nur im hohen Register Glanz entfaltet, in der Tiefe aber unscheinbar und farblos bleibt. Auch wenn ihre Arie "Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh" gerade von weltabgewandter Innigkeit erzählt: Das ist dann doch der Ruhe zu viel.

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