PHILHARMONIKERSaisoneröffnung mit Gustav Mahler : Seht die Sonne

Christine Lemke-Matwey

Man muss schon genau gucken können, um Simon Rattle unter seinen philharmonischen Pinguinen (siehe Foto) zu entdecken. Das wiederum ist Strategie: Am Abend mag der Chefdirigent erhöht stehen, auf seiner sprichwörtlichen traditionellen „Kiste“, schon allein aus (aufführungs-)praktischen Gründen – im alltäglichen Erscheinungsbild und Auftreten des Orchesters scheint er regelrecht verschwinden zu wollen. Einer für alle, alle für einen?

Mit Wagners „Walküre“ haben sich die Berliner Philharmoniker beim Festival von Aix en Provence einen Teil ihrer Sommerfrische vertrieben, mit Mahlers Neunter laden sie nun zum Saisonstart 2007/08 in die Philharmonie. Wagner – Mahler, Mahler – Wagner? Das Ferne so nah, das Nahe so fern? So exotisch der Wagnersche „Ring“ den meisten Musikern heute erscheinen mag (höchstens 20 von ihnen haben die Tetralogie je gespielt), so reich gesegnet, ja gesättigt ist ihre Mahler-Tradition. Von Bruno Walter bis Herbert von Karajan reicht die Phalanx der historischen Referenzaufnahmen, und Mahler stand auch auf dem Programm, die Sechste, als Sir Simon erstmals ans philharmonische Pult trat. Ohne ihn, so der Brite, sei die Musik des 20. (und 21.) Jahrhunderts schlichtweg nicht zu verstehen. Mahler als Anker ins Repertoire, als unsere buchstäblich „letzte Rettung“? Dabei muss es und kann es auf Dauer nicht bleiben, das sagt Sir Simon auch, und eröffnet den Abend mit einer Uraufführung des hoch geschätzten finnischen Komponisten Magnus Lindberg. Titel des Stücks? „Seht die Sonne“. Das Konzert wird live auf rbb Kulturradio übertragen. Christine Lemke-Matwey

Philharmonie, Sa 25.8., 19 Uhr, ab 25 €, nur noch Restkarten an der Abendkasse

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